Once Upon a Time… in Hollywood ★★★

Nach Quentin Tarantinos ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD haben wir direkt nach dem Film Fragen: Warum werden Hippies ausschließlich als mordlüsterne Monster dargestellt? Warum werden die Frauen in Nebenrollen (als Klischeeschlampen und Klischeeheilige) verbannt? Warum wird der einzige Asiate als unsympathisches Aufschneiderarschloch vorgeführt? Mit historischer Genauigkeit braucht man Tarantino dabei nicht kommen: Wir befinden uns in Tarantinos märchenhaften TCU (Tarantino Cinematic Universe), einer Parallelrealität, in der zum Beispiel Hitler in einem Kino in Frankreich verbrennt. Aber zurück nach Hollywood, in einen Film, der randvoll ist mit Anspielungen und von dem es seitenweise Produktionsanekdoten gibt – für den Fall, dass einen so etwas interessiert.

ONCE UPON ist ein Buddy-Film: Rick ist ein Western-Star der 1950er, der seinen Zenit überschritten hat und weinerlich damit hadert, dass er in die zweite Reihe abgerutscht ist. Cliff ist Ricks Stunt-Double, Fahrer und Hausmeister, der keine Ambitionen und keine Sorgen kennt – abgesehen davon, dass er im Verdacht steht, seine Ehefrau ermordet zu haben … Lange führt uns Tarantino durch sein liebevoll gestaltetes Nostalgiehollywood mit einigen schönen Ideen und tollen Darstellern wie Bruce Dern, Timothy Olyphant und vielen anderen.

Im letzten Drittel entlädt sich dann die Spannung, die vorher langsam aber sicher aufgebaut wurde in einem typischen Tarantinofinale. Bei allem Unterhaltungswert: Nostalgie ist immer rückwärtsgewandt und restaurativ und die Änderung der historischen Wirklichkeit durch Tarantinos cineastische Wunscherfüllungsmaschine hat etwas infantiles, naives. Im Podcast hauen wir nach der Hälfte die Spoilerwarnung rein und bitten den Polizeihubschrauber über uns zu entschuldigen :-) Am Mikrofon direkt nach der Vorstellung: Heidi, Katharina, Karin, Andreas, Harald, Axel, Uwe und Thomas.

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