Interstellar ★★★★½

English tl;dr
Do you know that feeling when even at your first time experiencing a movie you can relatively easy put the finger on its flaws, but after watching through it you still leave the theater in absolute awe? This was one of those experiences!

Yes, the movie is flawed: almost everytime a character opens his mouth it doesn't sound like a real human being, but more like a script and together with the very dialogue-heavy exposition the beginning of the movie might seem a little bit clunky. It will be a very subjective and polarizing experience for sure filled with moments where you will either roll your eyes or roll with it, but it will be an experience no matter what!

Describing how I felt when the almost 3 hour long journey finished, it was this wondrous feeling in your stomatch when I used to look into the starry sky choking on the concepts of infinity and how everything seemed to be bigger than your very existence. Touching the big themes like to which places our pioneering spirit might lead us or how much empathy you can feel for the human species as a whole you explore the unimaginable dimensions of space with a sense of humbleness that I have never experienced in a movie before. If you define movies as a window opening to other worlds you will be very satisfied - and oh boy, don't get me even started on Hans Zimmer's use of organs – the queen of all instruments.
Personally, what surprised me the most was how genuinely touching it was, since I never remembered Nolan as particularly good at pulling the heart strings and the utter brilliance was to make physical theories come alive by emotionally attaching them to characters we care about.

As I've explained – it has its flaws, but it's still the movie I was hoping for. It's oozing with adventure, offering me something I haven't felt before and what else can I say except: I demand more movies of this kind!





Vielleicht kennt ihr dieses Gefühl: ihr schaut euch einen Film zum ersten Mal an und schon beim ersten Durchgang entwickelt ihr relativ schnell ein Verständnis dafür, was für Schwächen in ihm zu entdecken sind. Kein Film ist perfekt, doch hier fallen euch offensichtliche Fehler auf und am Ende könnte man nüchtern betrachtet eine stattliche Liste von Kritikpunkten ans Messer liefern. Diese Liste jedoch würde nicht ein Mal ansatzweise adäquat euer Filmerlebnis beschreiben können, denn obwohl ihr objektiverweise die Schwächen erkennt, verlasst ihr den Kinosaal trotzdem mit einem Gefühl, dass ihr gerade etwas ganz besonderes erlebt hat, den Film am liebsten sofort ein zweites Mal schauen würdet, was als Eindruck so stark dominiert, dass es in keinem Verhältnis zu den Schwächen steht. Interstellar hat mir ein eben solches Filmerlebnis geboten.

Denn ja, möchte man handfeste Kritikpunkte auflesen, bietet Nolans fast 3 stündiger SciFi-Epos sicherlich genug begründete Angriffsfläche, die einen schon mal gedanklich aus der Reise werfen kann. Der größte Vorwurf, welchen sich der Film meiner Meinung nach gefallen lassen muss, kommt häufig zum Vorschein, wenn die dort handelnden Charaktere ihre Münder öffnen - lässt Nolan seine Figuren sprechen, klingt es selten nach authentischen Gesprächen, die reale Menschen hätten führen können, sondern eher nach Drehbuch: als etwas, was jemand bewusst konstruiert platziert hat, um als Nachrichtenträger zu wirken und vom Zuschauer eben auch als solcher entlarvt wird. Besonders holprig wirkt dies im Zusammenhang mit der Exposition, in der uns der Zustand des Planeten nahe gebracht werden soll. Der Film bleibt sehr spezifisch bei unseren Charakteren kleben, was zwar den Vorteil bietet, dass ihnen mehr Zeit gegönnt wird uns ans Herz zu wachsen, presst deshalb jedoch viele Elemente der Exposition in den Dialog, statt dass verstärkt auf visueller Ebene gearbeitet wurde und wir auf diese Weise einen globaleren Blick auf die Erde werfen könnten. Neben dem leichten Hang zum Kitsch und einigen unverständlichen Schnitten, wird man auch den Eindruck nicht los, als ob eine bestimmte Episode den Film unnötig ausbremst, ehe man in Richtung Ende gleitet, welches mit großer Sicherheit auch den ein oder anderen entgeistert zurücklassen wird. Ebenfalls hätte ein etwas disziplinierter Ton im subtilen Umgang mit seinen Themen, Nolan etwas besser zu Gesicht gestanden.

Die Bilanz ist klar: Interstellar ist nicht perfekt und doch ist es genau der Film, den ich mir gewünscht habe.
Müsste ich den Eindruck beschreiben, mit welchem ich den Kinosaal verließ, wäre es wohl das selbe flaue Gefühl, wie wenn man einst nachts in den Sternenhimmel geblickt hat, sich einem die Unendlichkeit des Raumes und der Zeit entgegenstreckte und Demut sich breit machte in der Erkenntnis, in diesem großen Nichts eingebettet zu sein. Nolans Epos verdient sich seinen Namen dadurch, dass es uns mit den großen Themen unseres Daseins und unserer Menschlichkeit konfrontiert. Wohin treibt uns unser Pioniergeist? Welche Grenzen sind unserer Entwicklung auferlegt? Wie viel Empathie können wir aufbringen, wenn es darum geht als ganzheitliche Spezies zu denken und wie reagieren wir, wenn wir uns mit dem Konzept auseinander setzen müssen, dass manches größer ist, als unsere eigene Existenz? Es ist diese Art von Beklemmung, die uns antreibt, weil sie uns eben doch mit zu viel Neugier und Sehnsüchten zurücklässt und genau mit diesem Gefühl lässt uns Nolan landen, wenn wir auf der Leinwand durch Wurmlöcher eintauchen und andere Welten entdecken. Ehrfürchtig sinkt man in seinen Sessel zurück, wenn das millimeterdünne Aluminium des Raumschiffs an den Ringen des Saturns vorüberzieht und man in diesen unvorstellbaren Dimensionen des Kosmos' neben schierer Überwältigung plötzlich auch von einer gewissen Intimität ergriffen wird. Beinahe hat man den Eindruck man wäre mit an Board und lässt den Atem bewusst flacher werden, um der Crew, von der möglicherweise unser Überleben abhängen werden wird, nicht den Sauerstoff wegzuatmen.

Es ist eine Vision des Science Fictions, die in ihrem Realismus überraschend geerdet und wie kunstvolles Arthouse-Kino wirkt und doch strahlt sie eine Bildkraft aus, die in 2001: Space Odyssey und den Kosmosfotografien Terrence Malicks die nötigen inspirativen Vorbilder gefunden hat. Vom überraschenden Roboter-Design, den Oberflächen fremder Welten, bis hin zu der Darstellung von Wurmlöchern spannt uns Nolan in ein einzigartiges, kreatives Bildgewand ein und unterstreicht damit die Weite und Nachhaltigkeit seiner Themen. Was das audio-visuelle Meisterwerk aber erst vollkommen werden lässt, ist Hans Zimmers Soundtrack. Hatte man durch den häufigen Einsatz der epochalen Orchester-Akustik den Eindruck, seinen Kompositionsstil mittlerweile durchschaut zu haben, so darf man sich angenehm überraschen lassen. Immer noch die großen Skalen und Schwingen des Films bedienend, kommt hier die instrumentale Begleitung einer sphärischen Schwermut gleich. So würde der Weltraum wohl klingen, wenn er musikalische Töne von sich geben würde. Ganz besonders die Königin aller Instrumente – die Orgel – wirkt hier als Wahl des Pulses unaufhaltsam antreibend und spiegelt eben genau die sprichwörtlichen Register wieder, die der Film vorgibt: die Ruhe des Alls spiegelnd, das nervöse Zucken des Entdeckerdrangs und die Kraft dramatischer Höhepunkte.

Und doch gibt es noch einen weiteren Zündstoff, der den Film aus dem Gravitationsradius apathischer Leerläufe herauskatapultiert und der als Kleber gilt,, um die einzelnen narrativen Fäden zusammen zu spinnen – und ausgerechnet handelt es sich dabei um einen Aspekt, den ich vor Interstellar nicht zu Nolans Steckenpferden gezählt hätte: dem Aufspielen ehrlicher und wahrer Gefühle ; dem Zupfen rührender Herzensstränge. Mehrmals musste ich während des Films mit den Tränen kämpfen, doch statt diese Emotionen in den Kosmos verstrahlen zu lassen, nutzt Nolan sie stets dazu, um die Auswirkungen physikalischer Phänomene wirkungsvoller als jeder geschulter Physiker nahe zu bringen. Zeitrelationen und schwarze Löcher bleiben keine kalten Konstrukte und aus Schulbüchern entnommene Formeln sondern kriegen nicht nur ein visuell eindrucksvolles sondern auch emotionales Gesicht, indem vorgeführt wird, welche Konsequenzen sie auf unsere reale Lebenswirklichkeit haben könnten und Matthew McConaughey und der Rest des Ensembles stemmen diese Aufgabe mit überzeugendem Schauspieltalent.

An sich ist Interstellar eine recht lineare Erzählung in der man sich trotzdem verlieren kann. Es ist ein befriedigendes Erlebnis und hüllt sich mit genug weiterführenden Nebelschwaden dennoch in den vagen Umhang des Fragezeichens. In erster Linie ist es jedoch eine Reise. Ein Epos. Wenigen hätte ich zugetraut, solch einen Stoff in bloß einen Film zu packen, doch trotz einiger Schwächen und Stolpersteinen darf sich Nolan auch hier wieder als Ingenieur einer Vision beweisen, der nicht nur gelungenes Kino aufzieht, sondern mit seinem Budget Welten aufzeigt, von denen wenige nur geträumt haben. Bleibt zu hoffen, dass weitere Filme dieses Kalibers und dieser Größenordnung folgen!

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