Songs from the Second Floor ★★★★

Followbruary Nr. #1

Ein apokalyptischer (matter) Glanz geht von Roy Anderssons 'Songs from the Second Floor' aus. So verloren wie die Menschen hier durch den Beton gewordenen Klotz einer Welt auch herumlaufen mögen, so gewährt uns Andersson mit seiner statischen Kamera in seiner Misere zumindest immer den Überblick. Wahrscheinlich ist die Spürbarkeit eines klaren Gedankens das immanent einzig tröstliche und gleichzeitig wohl das quälendste am gesamten Film.

Es ist eine religiöse wie auch menschliche Abrechnung. Man hat sich einander abgewandt. Die apokalyptischen Reiter galoppieren hier nur teilnahmslos vorbei - die Menschen sind nicht ihr eigentliches Ziel ; die Verwüstung kriegen diese dennoch natürlich zu spüren. Und dass wir sie dabei beobachten, macht das ganze auch nicht besser. Die Schicksale, die Roy Andersson hier zeichnet, sind wie an einem roten Faden miteinander verbunden - nicht dass es eine Erlösung mit sich bringen könnte - und so stolziert er mit seinen kleinen Vignetten der Absurdität unserer Existenz tapfer entgegen.

Mit ihren bleichen Gesichtern und ihren schlurfenden Bewegungen wirken die Menschen wie Geister, denen man bloß vergessen hat mitzuteilen, dass sie eigentlich längst erlöst seien. Alles um sie herum verkommt zum Mittel der Selbstgeißelung, wenn selbst schon der Pfarrer als Antwort auf das Leiden der anderen nur noch sein eigenes Unglück höher stapeln kann. Möglichkeiten werden einzig als Weg in die Sackgasse verstanden. In einem dem Film vorangestellten Ausspruch heißt es "Beloved be the one who sits down" und man mag sich fragen: wird es kurzzeitige Erleichterung vom eigenen Kreuz bringen oder die gedankliche Rastlosigkeit nur weiter intensivieren?

Am Ende bleibt es höchst erstaunlich wie es Andersson seiner Bekümmertheit zum Trotze gelingt, seinen Bildern die nötige Größe und seiner Welt einen entrückten Zauber zu verleihen. Der Mitunter magischste Moment des Films findet in einer vollen U-Bahn statt, in der die Menschen darin plötzlich gemeinsam zu singen beginnen und sich so der bisher im Hintergrund treibende Soundtrack nach vorne drängt. Letztlich mag diese Szene bloß ein kollektiver Abgesang sein, aber die Magie ist dennoch spürbar.
Da sitzt er nämlich. Der Glanz.

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