The Cabinet of Dr. Caligari ★★★★½

#Horrorctober No. 2

Dieses expressionistische Werk kann einem durchaus noch länger unter den Augenlidern nachbrennen.

Spätestens wenn der hier ausgestellte Schlafwandelnde Cesare in seiner Trance langsam seine Augen öffnet, ist Gänsehaut vorprogrammiert: wenn er seinen Blick in die Kamera richtet, fühlt es sich an, als hätte er sich einen direkten Pfad in unser Unterbewusstsein erschlichen. Seine starr und weit aufgerissenen Augen schreien förmlich, als wenn er gesehen hätte, was für ein Schrecken der menschliche Schlaf eigentlich darstellt - die Kontrollaufgabe unseres Körper und des Geistes ; das sich Verheddern in Albträumen und die Unfähigkeit, sich aus eigener Kraft daraus befreien zu können. Gerade in der Auflösung des Films liegt der psychologische Schrecken sich in die Hände eines anderen zu begeben und in deren Abhängigkeit in eine Spirale der Hilflosigkeit zu fallen.

Möchte man die filmische Qualität zu fassen bekommen, ließe sich hier auch eine beliebige Beschreibung eines (aufregend zu lesenden) Psychologie-Wälzers zum Thema Albträume abdrucken. Die träumerische Fremdartigkeit ist dem Film geradezu ins Gesicht geschrieben. Die Kulissen geben sich allerhand Mühe, uns in die Unbehaglichkeit zu werfen, indem uns vertraute geometrische Formen wie rechte Winkel möglichst vermieden werden und mit einer fixen Licht- und Schatten-Textur übermalt wurden, die starr und ungnädig auf uns hinabschimmert. Der in dieser Fassung erklingende Score nimmt uns vertraute Instrumente wie E-Gitarren und transformiert sie mit ungewöhnlichen Spielweisen in eine scheppernde Andersartigkeit. Gerade auch am Anfang wirken die Schnitte nicht wie das glatte Umblättern von Buchseiten, sondern vielmehr wie das Abbrennen von Pergament - ob so vom Regisseur beabsichtigt oder ein von der Zeit gezeichnetes Material ist mir in diesem Fall gleich, die Wirkung bleibt die gleiche.

Wenn dieser Film eines unter Beweis stellt, dann wohl dass wahrer in unser Vorstellungskraft verwurzelter Schrecken zeitlos bleibt.

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