Harakiri ★★★★½

Werden Traditionen über die Zeit zur Farce? Eine Fassade, um sich mit den traditionellen Werten verbunden zu fühlen, doch so aufgeweicht, dass die Rituale doch stark davon abweichen, wie sie früher ursprünglich gedacht waren? 

In Harakiri erklärt auch der Ronin Tsugumō Hanshirō den Weg der Samurai lediglich als Fassade. Die von den Gerissenen gekonnt erweitert wird und an der die Gerechten nur zugrunde gehen können. Eine leere Heuchelei, die lediglich für die Öffentlichkeit inszeniert wird...

Puh, nach diesem Film muss ich erstmal durchatmen, denn Harakiri ist sicherlich kein vergnüglicher Film für einen Sonntag Nachmittag. Gut das es heute auch draußen so grau war. Harakiri ist eine Tragödie auf so vielen Ebenen! Zum einen auf einer gesellschaftlichen aber zum anderen natürlich auch auf einer sehr persönlichen Ebene, denn der von Tatsuya Nakadai gespielte Tsugumō musste viel Grausamkeit ertragen. 

Seine Geschichte, die er vor seinem geplanten rituellen Selbstmord den Anwesenden erzählt, beginnt mit der nüchternen Feststellung: „Gutes dauert nie ewig an.“ Vor allem die im Film aufgeworfene Metapher, dass das Fundaments unseres Lebens aus Sand ist und somit schon ein starker Windstoß ausreicht, um alles zu erschüttern, hat mich tief bewegt.

Langsam enthüllt der Film seine Zusammenhänge, zeigt die Grausamkeit der herrschenden Ordnung auf, gegen die sich Tsugumō auflehnt. Doch sein tapferer Widerstand gegen diese unterdrückende Ordnung scheint vergeblich zu sein.

Visuell ist der Film wie erwartet großartig, an dieser Stelle möchte ich nur mal die aus filmischer Sicht großartige Erfindung der Shōji hervorheben. Das Spiel mit Schatten hinter den lichtdurchlässigen Schiebetüren, die Art wie sie die Räume aufteilen und den Effekt des schnellen Aufziehens, das ist visuell immer ein Genuss.

Harakiri war mein erster Film von Kobayashi, wird aber sicher nicht der letzte sein. Als nächstes steht die Human Condition-Trilogie auf der Watchlist. Wahrscheinlich auch keine optimistischen Happy-Go-Lucky-Filme, aber ebenfalls mit Tatsuya Nakadai in der Hauptrolle, dem ich immer gerne zuschaue. 

Nr. 7 #Japanuary

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