Mishima: A Life in Four Chapters ★★★★½

Was macht einen guten Film aus? Eine Frage über die man sicher stundenlang debattieren könnte. Ein wichtiger Aspekt ist aber sicherlich, dass man sich auch nach dem Filmgenuss weiter mit dessen Sujet beschäftigt. Genau das hat Paul Schraders Biopic Mishima: A Life in Four Chapters bei mir geschafft. Gleich im Anschluss an den Film habe ich mir eine Doku über den exzentrischen japanischen Schriftsteller angeschaut und mir auch gleich eine aktuelle Neuauflage eines seiner Bücher bestellt. 

Doch was macht den Film so faszinierend? Natürlich ist das zum einen die Person und die Geschichte von Yukio Mishima. Doch zum anderen tragen auch die Struktur des Films und dessen Inszenierung zur Faszination bei.

Die besten Biopics versuchen nicht das gesamte Leben ihres Protagonisten abzubilden, sondern schaffen es mit einzelnen Episoden den Wesenskern einer Person einzufangen. Mishima: A Life in Four Chapters belässt es aber nicht nur bei diesen einzelnen Episoden, sondern streut auch Adaptionen der Werke, die Mishima über die Jahre veröffentlicht hat, als weitere Fragmente mit ein. Die Geschichten Mishimas und seine eigene Lebensgeschichte verschmelzen so zu einem tiefgründigen Portrait des Schriftstellers, der an der Vergänglichkeit der Schönheit verzweifelte und aber auch mittels nationalistischer Rhetorik versuchte, diese vermeintlich verlorenen Werte wieder mehr in der japanischen Gesellschaft zu verankern. 

Obwohl der Film vom Amerikaner Paul Schrader inszeniert wurde, ist der Film so japanisch wie es nur geht. Die Flashbacks in Mishimas Kindheit und Jugend, sind in schwarz-weiß gehalten und erinnern an frühe japanische Klassiker. Die Adaption von Mishimas Werken finden in teils sehr expressionistischen, farbenfrohen und gleichzeitig reduzierten Sets statt und wirken so theaterhaft und gleichzeitig wahnsinnig kreativ.

Mishima: A Life in Four Chapters ist ein Film über den man viel nachdenken kann und in dem sicherlich viel mehr drinsteckt als beim erstmaligen Schauen verarbeitet werden kann. 

Von Schönheit gequält, durch Schmerz befreit; so könnte man wahrscheinlich das Leben von Yukio Mishima zusammenfassen. Diese Verbindung aus Schönheit, Tod und Vergänglichkeit kleidet der Film in ästhetische Bilder, während Philip Glass einen kongenialen Soundtrack beisteuert und Ken Ogata, als alternder Mishima, die gequälte Seele dieses durchaus ambivalenten Charakters einfühlsam einfängt.

Nr. 5 #Japanuary

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