Black Widow

Black Widow ★★★½

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Marvel bleibt natürlich Marvel und wer ernsthaft erwartet hier einen „Red Sparrow“ Thriller der finstersten Art anzutreffen, der wird enttäuscht sein, hat aber das Franchise nach nun mehr 24 Filmen auch einfach nicht verstanden.

Erst mal sei erwähnt, Regisseurin Cate Shortland findet für die Manipulation und die menschenverachtende Behandlung der Widows durchaus eindringliche Bilder. Auch die Titelsequenz, untermalt mit einem „Smells like Teen Spirit“ Cover, verfehlt ihre Wirkung nicht. Doch zu keinem Zeitpunkt ignoriert der Film seinen Hauptauftrag und das ist der Spaß. In gut dosierten Humormomenten, die wie gewohnt auch mal den ein oder anderen emotionalen Moment unterlaufen (ihr kennt das), darf vor allem David Harbour als Red Guardian glänzen.

Aber auch die ganze Chemie zwischen Natascha und ihrer „Familie“ ergibt eine gute Mischung aus emotionaler Schwere und Lockerheit, bei der vor allem Rachel Weisz mit einer entspannten Performance überrascht. Figuren das kann Marvel und so ist auch der längst überfällige Solo Film für Black Widow ein gelungenes Abenteuer, bei der die Story sehr nebensächlich ist.

Die fällt auch überaus simpel aus, bietet vorhersehbare Twists an und obwohl eine Menge an Background Story angedeutet wird, ist das Agentenabenteuer überraschend linear. Hier geht es vor allem um das Wie und da gibt es wirklich sehr wenig zu tadeln.

Trailer deuteten schon den üblichen Marvel-Exzess an, der aber angenehm über die gesamte Laufzeit verteilt wird. Der Gefängnisausbruch von Red Guardian ist ein bisschen drüber, spielt für die Handlung ja auch kaum eine große Rolle und ist einfach auch ein wenig zu lang geraten. Dafür ist der wilde Showdown erstaunlich kurzweilig ausgefallen und deutlich besser getaktet als die endlose Heli Carrier Schlacht in „Captain America - The Winter Soldier“. Inszenatorisch kann sich Cate Shortland zwar nicht ganz mit der Wucht und Dynamik der Russo Brüder messen, dafür behält sie stets die Übersicht und findet stets spektakuläre Perspektiven.

Sehr stark fällt auch die Konfrontation mit Bösewicht Ray Winstone aus, von dem man vielleicht noch gerne mehr über die Laufzeit gesehen hätte und das Scarlett Johansson eine absolute Bank ist und den Film mühelos auf ihren Schultern trägt ist ja auch keine Überraschung.

Das größte Problem von "Black Widow" ist, dass der Film mindestens drei Jahre zu spät kommt. In der Post "Endgame" Ära mit faszinierenden neuen Entwicklungen in den Disney+ Serien wie "WandaVision", "The Falcon and the Winter Soldier" oder ganz aktuell "Loki" wirkt dieses Prequel zu klein und zu unbedeutend für das MCU. Ein Kinosnack während die großen Ereignisse plötzlich eher auf dem Streamingdienst passieren. Dafür kann der eigentliche Film nichts, aber es schadet ihm schon ein wenig.

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