Dune

Dune ★★★★½

Schneeweiße Sanddünen, die strahlend glitzernd vom Winde verweht mit Anmut und Eleganz als Schauplatz für Schönheit und Brutalität dienen. Karge Felsformationen, in deren Schatten sich Rebellion und Flucht in einem hoffnungsvollen Aufeinandertreffen kreuzen. Futuristische Technologien, die vertraut und greifbar wirken, dabei stets den Blick für die Moderne erweitern und trotzdem authentisch sich innerhalb der so unbekannten Welt fügen. Denis Villeneuve vermag eine Welt zu präsentieren, ohne dabei auch nur eine einzige Sekunde das Auge für Ästhetik zu verlieren. Ein Einblick in etwas ganz Unbekanntes, das sich innerhalb der ersten Minuten vertraut anfühlt. Villeneuve hat viel zu erzählen, viel zu erklären. Es ist dann schon fast beängstigend, mit welcher Leichtigkeit ihm das in Dune gelingt.

Langsam und behutsam gestaltet sich der Einstieg in die imposante Buchverfilmung, die laut Villeneuve von Anfang an die Komplexität und Wichtigkeit der Romanvorlage respektieren und achten möchte. Atreides, Harkonnen, Bene Gesserit, Fremen - Zunächst nur leere Begriffe, sie alle zu erklären eine Herausforderung - Die Exposition, an der so viele Anfänge scheitern, wird hier zum Leitfaden, Stück für Stück wird hier ein Universum porträtiert, dessen Größe und Bedeutung zu jeder Zeit erkennbar sind. Kritiker würden sagen, Dune ist ein einziger Auftakt für ein sich anbahnendes Finale, das nie kommt, das würde der Masse an Inhalt jedoch zu keinem Zeitpunkt gerecht, zu spannend ist die jetzt schon erzählte Geschichte.

Als audiovisuelles Prachtwerk sind die hier stets perfekt gestalteten und ausgeleuchteten Kulissen beeindruckend, stets überragend die schauspielerischen Höchstleistungen des gesamten Ensembles. Vor allem aber ist es Villeneuve selbst, der wieder einmal mit seiner Vision und seinem Blick eine perfekte Symbiose aus Narrative und Kinematographie kreiert, dabei ähnlich wie schon in früheren Werken in fast jeder Szene eine Wucht entfesselt, die Magie auf die Leinwand bringt. Wahnsinnige Bilder können häufig komplett frei ihre Wirkung entfalten, ohne dass die Handlung ins Stocken gerät. Dune ist eine Sinnesreise, derer sich keiner entziehen kann. Zusammen mit der absolut fantastischen Musik von Hans Zimmer bleibt hier kaum eine Sekunde, in der man nicht den puren Genuss eines außergewöhnlichen Films zu spüren bekommt.

Wo ein David Lynch noch mehr oder weniger erfolgreich mit seinem gewohnt einzigartigen Stil seine eigene Interpretation entwickeln wollte, gelingt es Villeneuve deutlich mehr der Buchvorlage gerecht zu werden, ohne dabei seine eigenen Stärken zu vergessen.

Die Popularität und Originalität von Star Wars innerhalb des Science-Fiction-Genres wird wohl nie gebrochen werden können, die Qualität jedoch früher oder später schon. Ob Dune diesen Schritt bereits schafft, muss die Zeit zeigen, in fast jedem Aspekt kann Dune aber im direkten Vergleich punkten, mutet dem Zuschauer auch mal etwas zu, signalisiert Intellekt anhand von Symbolik, nimmt sich selber ernster als es Star Wars je vorhatte. Es entsteht ein imposantes Werk, das sich ganz ohne Klamauk und Ironie seiner eigenen Stärke bewusst in die Herzen aller Filmliebhaber spielen wird, dabei jedoch nie vergisst bodenständig und geerdet zu bleiben.

Es ist kein Geheimnis, dass Dune nur den ersten Teil einer noch nicht fertigen Geschichte erzählt, stets mit Vor- und Rückblenden gespickt werden dennoch Verweise auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eingebunden, Geschehnisse und Figuren sind stellenweise überhaupt nicht Teil der Handlung, dennoch immer präsent. Die nur 150 Minuten hätten noch so viel länger sein können und reichen allemal nicht, um alles zu erklären, viele Fragen bleiben offen. Es ist jetzt schon nicht mehr auszuhalten, die Sehnsucht nach einer Fortsetzung hat sich ebenso schnell wie die Begeisterung für den Film entwickelt, eine ganz große Kunst.

Villeneuves nächster großer Geniestreich ist der vielleicht beste Film des Jahres geworden. Ein Mann, dessen Filmographie nicht zu bröckeln scheint, der zum wiederholten Male Perfektion ins Kino bringt. Eine denkbar schwierige Aufgabe, es soll ihm aber immer wieder gelingen. Nun heißt es warten - Auf ein weiteres Meisterwerk?

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