Love Exposure

Love Exposure ★★★★½

LOVEmber - Midnight in NRW
6 countries: Japan

Was lege ich mir nur für eine Bürde auf, diesen Film ernsthaft rezensieren zu wollen? Ich bin ja schon froh, dass ich ihn überstanden habe und das auch noch an einem Stück. Allgemein dürfte die Frage lauten, wo fängt man an und wo hört man auf, den Inhalt von Love Exposure wiederzugeben. Meine Antwort: Man fängt gar nicht erst damit an. So habe ich den Film gesehen und ich denke, dass die Überraschung und Überwältigung sich so am besten entfalten kann.

Vier Stunden, um genau zu sein 237 Minuten, reinster Japan-Wahnsinn von Sion Sono. Nach rund 60 Minuten erscheint die Titlecard des Films und mit ihr endet der Prolog: Das allein spricht wohl Bände. Wir hangeln uns einen Weg durch die Story über verschiedene Genres: Drama, Komödie, Action, Thriller und nicht zuletzt, wie hätte ich ihn sonst in dieser Liste unterbringen können, stellt er auch eine Romanze dar. Dieser Mix geht wunderbar auf und trotz seiner monströsen Laufzeit wird Love Exposure zu keiner einzigen Sekunde langweilig. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie groß mein Respekt für Filme dieser Art ist, die es schaffen, den Zuschauer über eine so lange Laufzeit zu fesseln und dabei noch sämtliche Genres abdecken, ohne irgendwo ein Zeichen von Schwäche zu zeigen.
Natürlich spielt die Länge des Films den Charakteren und ihren Entwicklungen in die Karten. Jeder der Protagonisten - wozu ich an dieser Stelle nicht nur Yu, Yoko und Aya, sondern auch Kaori und Tetsu zähle - hat ein Motiv für seine Taten und einen Charakter, mit welchem man sich irgendwo identifizieren kann. Die Linie zwischen Protagonist und Antagonist ist später klar gezogen, wenngleich nicht sofort zu Beginn eindeutig. Tatsächlich lässt Sion Sono manche Figuren sogar auf der Schwelle tanzen. Schauspielerisch kann man hier auch nichts wirklich kritisieren. Am besten gefiel mir ganz klar Takahiro Nishijima, worauf direkt Hikari Mitsushima und Sakura Ando folgen, jedoch spielt auch der Rest des Casts wirklich fantastisch.
An manchen Stellen war mir die Kamera ein wenig zu wackelig und der Schnitt zu hektisch, woran man sich allerdings auch relativ schnell gewöhnt. Abseits dessen beherbergt der Film einige wunderschöne Aufnahmen, die man sich ohne Problem an die Wand hängen kann und auch im Schnitt gibt es einige wirklich nette Einfälle. Die musikalische Untermalung ist absolut fantastisch: Stets passend und mit einem Ohrwurm-Faktor sondergleichen versehen.

Love Exposure hat mir richtig gut gefallen! Mein Respekt vor dem Film ist riesig und den Unterhaltungsfaktor, den dieser Film über diese Laufzeit an den Tag legt, ist schlichtweg atemberaubend. Wer Love Exposure noch nicht gesehen hat, der sollte sich schleunigst Platz für vier Stunden Sion Sono nehmen. Die Zeit wird es wert sein!

9.0/10

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