Pain and Glory

Pain and Glory ★★★★

Leid und Herrlichkeit
Regie von Pedro Almodovar
Hype-Level: 4 von 5
Erwartetes Rating: 4 von 5

Prolog

Ich weiß nicht so ganz woher meine plötzlich Euphorie hinsichtlich "Leid und Herrlichkeit" rührte, aber sie stieg in den letzten Wochen und Tagen um ein Vielfaches. Ich habe keines von Almodovars vorherigen Werken gesehen und auch die beiden international größten Namen des Films, Antonio Banderas und Penelope Cruz, habe ich schauspielerisch bisher nicht groß erkundet. Nichtsdestotrotz zog mich der Film auf eine magische Art und Weise an, seit ich vor einigen Wochen den Trailer gesehen habe, welchen ich richtig stark fand und so war heute der Tag gekommen, an dem ich mir den Film samt Mediabook-Text reingezogen habe.

Story

Es handelt sich bei "Leid und Herrlichkeit" um ein größtenteils ruhiges Drama, welches den erdachten Regisseur und Drehbuchautor Salvador Mallo in den Vordergrund stellt. In drei Zeitebenen, wobei die Gegenwart und die älteste Vergangenheit klar im Fokus stehen, wird aus dessen Leben erzählt und was sein Leben inwiefern beeinflusst hat. Der Titel für diesen Film könnte passender kaum sein, denn der Film stellt sowohl das Leid des Protagonisten, als auch die Herrlichkeit seines Lebens wunderbar dar. Der größte Teil von Almodovars Werk spielt in der Gegenwart und zeigt den körperlich kranken und geistig nicht mehr ganz gesunden Salvador, welcher geplagt von massenhaft Beschwerden durch eine Neuaufführung eines seiner früheren Werke dazu gezwungen ist, sich mit seiner Vergangenheit zu befassen, was eine Kette an Ereignissen loslöst. Dabei bezieht sich der Film oft auf Salvadors frühe Kindheit, welche von Armut geprägt war, und im späteren Verlauf auch auf eine Zeit seines jungen Erwachsenenalters, welches in Form eines Theaterstücks verpackt wird, also nicht in Form von Rückblenden dargestellt ist, was mir von einem kreativen Standpunkt aus betrachtet sehr gut gefiel. Abseits dessen thematisiert "Leid und Herrlichkeit" aber auch noch Themen wie Drogenkonsum und den Tod, sowie die Angst vor jenem, was mir ebenfalls zusagte und dem Drama etwas mehr Tiefe gab. Die Dialoge sind, sofern ich den deutschen Untertiteln trauen kann, gut und authentisch geschrieben, wenn auch manchmal etwas derb. Inhaltlich gefiel mir der Film sehr gut, auch wenn ich etwas anderes, etwas handlungsorentierteres, erwartet habe, was jedoch nicht heißt, dass ich die tatsächliche Umsetzung nicht gutheißen würde, denn sie passt wirklich gut zu seinem Thema.

Charaktere und Darsteller

Da man um Salvador Mallo logischerweise keinen Bogen machen kann ist klar, also haken wir ihn als aller erstes ab. In der Gegenwart wird er als von Beschwerden geplanter, älterer Mann dargestellt und schnell zeigen sich auch Anzeichen von Medikamentenabhängigkeit und später auch Drogensucht. All dies mag im ersten Augenblick überraschend und auf eine gewisse Art unerwartet und unüblich wirken, mit der Zeit, also über die 114 Minuten Spielzeit hinweg, kristallisiert sich aber jede Entscheidung Salvadors heraus und somit ist man am Ende des Films an einem Punkt angelangt, an dem man sich trotz aller Unterschiedlichkeit zu seiner Person perfekt mit ihm identifizieren kann und seine Gefühle nachempfindet, seine Handlungen versteht. Während der Gegenwart wird Salvador verkörpert von Antonio Banderas, welcher eine wirklich wunderbare Performance liefert und zeigt, wie ein Schauspieler mit einer Figur bestenfalls verließen sollte. Seine Darbietung gehört für mich zu den besten des Jahres, ohne Frage, auch wenn ich ihn in keinster Weise als Konkurrenz zu Leonardo DiCaprio, Robert Pattinson, Willem Dafoe oder Joaquin Phoenix sehe, was in der Masse härter klingt als es eigentlich ist. In der jungen Vergangenheit wird die Rolle des Salvador von Asier Flores gespielt, der mir schauspielerisch ebenfalls sehr gut gefiel, besonders für sein Alter und dementsprechend bin ich gespannt darauf zu sehen, ob er in den nächsten Jahren zu einem ernst zu nehmenden Schauspieler wird, auch wenn sich das wahrscheinlich als schwierig herausstellen wird, da ich mit dem spanischen Kino normalerweise wenig zu tun habe, aber man weiß ja nie. Der nächstgrößte Name des Casts nach Banderas ist die bezaubernde Penelope Cruz, die Salvadors Mutter während seiner Kindheitstage verkörpert. Sie tut dies mit einer bemerkenswerten Sentimentalität, abseits dessen kann sie allerdings nicht mehr überzeugen als manch anderer in diesem Film und damit schafft sie leider nicht den Sprung in meine Nominierungen (die in meinem Jahresranking zu finden sind). Wer mich tatsächlich etwas mehr überzeugen konnte war die gealterte Version von Salvadors Mutter, gespielt von Julieta Serrano. Mit einem unfassbaren Gefühl für die Rolle, mit einer Menge Autorität, Authentizität und vor allem liebevoll stellt sie für mich nach Antonio Banderas schauspielerisch klar das Highlight dar, auch wenn sie keine allzu lange Screentime vorzuweisen hat. Auch Asier Exteandia und Leonardo Sbaraglia konnten mich schauspielerisch wirklich überzeugen und allgemein sehe ich schauspielerisch in diesem Film einfach niemanden als wirklich mittelmäßig oder gar schwach, was bemerkenswert ist.

Bild und Ton

Bereits bei den Opening-Credits fing es an, ich habe mich verliebt, verliebt in die traumhafte Optik des Films, die zugegebenermaßen nicht nur von der überdurchschnittlich guten Kameraführung erschaffen wird. Hauptsächlich hat mir hier der Schnitt unfassbar gut gefallen, welcher oft dezent ist, sich aber immer wieder zu einer Art Figur macht und die Handlung wirklich gut ergänzt, auf welche Art möchte ich an der Stelle allerdings nicht verraten. Auch die Animationen die in dem Film gelegentlich, insbesondere zu Beginn, auftreten sind unfassbar schön und stellen für mich neben den Theaterszenen das optische Highlight des Films dar. Der Score von "Leid und Herrlichkeit" gefiel mir mindestens genauso gut wie es die visuellen Aspekte taten und somit muss ich an der Stelle ein großes Lob an Alberto Iglesias aussprechen, der einen der besten Scores des Jahres abgeliefert hat. Die restlichen auditiven Aspekte sind zwar ebenfalls gut, bieten allerdings nicht genügend Redebedarf um sie hier groß zu besprechen, weswegen ich daran Mal keine Zeit verschwenden und direkt zu meinem Fazit komme.

Fazit

"Leid und Herrlichkeit" ist wirklich stark; auf allen nur erdenklichen Ebenen. Gerade für Fans von ruhigen Dramen und Antonio Banderas wird sich eine Sichtung auf alle Fälle auszahlen, aber auch ansonsten ist der Film sowohl von inhaltlicher, als auch von audiovisueller Seite schlichtweg wunderbar. Einzig, dass der Film die ein oder andere Minute etwas zu sehr auf der Stelle tritt mindert seine Bewertung für mich, alles in allem habe ich aber wirklich sehr wenig an ihm zu bemängeln und somit gibt es von mir eine ziemlich uneingeschränkte Sehempfehlung für "Leid und Herrlichkeit"!

8.5/10

Listen:
2019 - Ranked

timcarrey liked these reviews