Mr. Long ★★★★★

#Japanuary 7/11

Mr. Long beweist, dass es nicht viele Worte braucht für großes Kino. Der Film ist so vollkommen, so wertvoll, dass man den Saal verlässt mit dem andächtigen Gefühl etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.
Ein Assassine rettet sich nach einem missglückten Mordversuch verletzt in ein kleines Dorf und wird dort von den Bewohnern aufgenommen. Denn praktischerweise versteht er sich neben dem Töten auch aufs Kochen und fängt vernab seiner Vergangenheit an, ein anderes Leben zu führen. Die Dorfbewohner sind dabei so überschwänglich wie er schweigsam und schnell wird er in ihre Gemeinschaft integriert. Was folgt ist eine Geschichte von Isolation und Annäherung, von Brutalität und Fürsorge, von Tragik und Hoffnung. Das Kochen dient dabei als roter Faden und spiegelt die in der japanischen Kultur verankerte Liebe zum Essen und Gastfreundschaft wieder. SABU nähert sich mit langen Einstellungen dieser fragilen Blase der Menschlichkeit und hat ein Auge für die kleinen Momente am Rande, die banal scheinen und in denen doch so viel Aussagekraft liegt (eine kurze Pause und ein Eis, drei Personen durch einen Baseball verbunden). Der Film ist stellenweise so herzerwärmend komisch, dass man für diese Zeit alles Drama vergisst. Aber natürlich holt die Vergangenheit Long irgendwann ein und natürlich ist die scheinbare Idylle nur auf Zeit. Man nistet sich mit Long ein in dieses temporäre Glück und lässt sich in Sicherheit wiegen, bevor die unvermeidliche Wendung einen hart erwischt. Selten hat ein Schockmoment so tief gesessen.
Mr. Long ist insgesamt so voll Herz und voller Schmerz, dass ich nach erneutem Schauen gar nicht anders kann, als volle fünf Sterne zu vergeben.