Okja

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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"Dieser Film hat mich zum Veganer gemacht". Das möchte ich am liebsten schreiben, doch kann es nicht. Denn obwohl mein ganzes Herz in diesem Film liegt, kann doch kein Film allein ein komplettes Weltbild verändern. Aber Okja hat mich über die Maßen begeistert. Joon Ho Bong hat schon in The Host gezeigt, wie man einzigartige und liebenswürdige Charaktere mit einem großen CGI-Monster verbindet. Der erste Akt bindet einen sofort an Mija und Okja, nur um dann gleich diese Bindung mit schmerzhafter Trennung, sogar Verrat durch die eigenen Familie zu belasten. Perfektion in den ersten 45 Minuten.
Und während man danach auf ein heiteres, vielleicht wenig trauriges Action-Spektakel aller E.T. eingestellt war, nimmt der Film ein sehr dunkle Wendung.
Vielleicht hat der Regisseur es mit der Konzentrationslager-Optik am Ende ein wenig übertrieben, vielleicht war gerade das nötig. Es gibt ein Happy End in gewisser Weise, aber es hat einen bitteren Nachgeschmack.
Ich denke Joon Ho Bong will in diesem FIlm nicht alles durch ein Deus Ex Machina auflösen. Manche Dinge kann auch ein kleines Mädchen nicht lösen, egal wie determiniert es ist, egal wie oft es durch eine Wand rennt. Ich denke die Botschaft ist: "Ich weiß auch nicht wie man das alles mit den Tieren und den Menschen und dem Welthunger löst. Aber ich weiß was garantiert falsch ist."
Es ist kein Film der mit erhobenen Zeigefinger ausschimpft, weil man mal ein Tier gegessen hat. Es ist ein Film zum fühlen, nicht um alle Fragen zu beantworten.

Die schauspielerische Leistung ist brilliant in diesem Film. Vor allem Jake Gyllenhaal gibt wirklich alles, geht vielleicht zu weit, aber dafür bringt er seine Rolle sicher ins Ziel. Ich finde überdrehte Charaktere ja super, aber ist halt nicht jedem sein/ihr Geschmack.
Auch An Seo Hyun glänzt ihn ihrer Sturheit. Ganz zu Anfang beweist sie, dass sie Energie für drei Filme mitgebracht hat.
Wie immer schafft es Bong Joon Ho Charaktere zu erschaffen, die zwar schrullig und überdreht sind, aber nie ihren menschlichen, authentischen Kern verlieren. An der Grenze zur Satire, aber nur an den richtigen Stellen darüber.

Alles in allem ein herzergreifender Film. Und auch wenn ich nicht glaube, dass dieser oder irgendein anderer Film allein was bewirken kann, so ist es vielleicht ein Stolperstein, an den man hin und wieder denken kann.

Christopher liked this review