Wonder Woman

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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Wonder Woman ist auch beim zweiten Mal sehen ein sehr guter Film. Besonders in OV kommt die raumgreifende Stimme Gal Gadots sehr gut zum Tragen. Über weite Teile des Filmes fühle ich mich emotional ergriffen. In den ersten 120 Minuten gibt es kaum Durchhänger, Stellen durch die man sich durch quälen muss. Auch die Szenen in London, die mir beim ersten Mal noch als unnötiger Umweg erschienen, fand ich dieses Mal sehr charmant.
Was aber meiner Meinung nach den Film nachhaltig schlechter macht, ist das Ende. Das hat mehrere Gründe

1.) David Thewlis ist die falsche Besetzung für die Rolle von Ares. Seine Stärke liegt in eher subtileren Rollen. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich ihn zuerst als Remus Lupin in "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" sah. Aber auch in seiner aktuellen Rolle V. M. Varga in der dritten Staffel von Fargo war sein Schauspiel selten laut oder brutal. Als Sir Patrick funktioniert er auch in diesem Film, aber er fällt als Ares völlig aus dem Rahmen. Besonders sein Schnauzbart sieht unter dem Helm aus wie ein verkapptes Hitler-Bärtchen (und ich hatte kurz angenommen, dass sie in einer Postcredit Szene diese Entwicklung Ares andeuten).

2.) Ares Auftreten selbst macht die Botschaft des Filmes völlig kaputt. Stattdessen hätte man nach dem Tod Ludendorffs die Realisation Dianas, dass Krieg von den Menschen selbstbestimmt geführt wird einfach wirken lassen sollen. Nach der Erkenntnis, dass sie die Menschen nicht ein und allemal von der Kriegslust befreien kann, hilft sie noch Steve Trevor das Gas zu zerstören. Dann kann man wieder in der Triumph-Szene einsteigen, in der sich die deutschen Soldaten die Masken von den Köpfen ziehen und sich in den Armen liegen. Es wäre toll gewesen, wenn es mal nicht den Big Bad in einem Superheldenfilm gäbe.

3.) Die CGI-Schlacht steht im Widerspruch zu der Inszenierung des restlichen Filmes. Auch wenn man Ares an sich als Twist am Ende ganz gut fände, ist der finale Kampf zwischen ihm und Diana wieder auf dem Niveau von Batman v Superman. Ich habe nichts mehr von der flüssigen Inszenierung gemerkt, die ich in vielen anderen Szenen, vor allem in der Schlacht im Niemandsland so beeindruckend fand. Da ich den Film erst spät um 23 Uhr sah, konnte ich ohne Probleme durch den finalen Kampf durchschlafen ohne etwas zu vermissen.

Ich habe das Gefühl, dass die letzten 15 bis 20 Minuten des Filmes nicht Patty Jenkins oder Allan Heinbergs Idee, sondern vom Studio so gefordert waren. All das ist sehr, sehr schade. Aber das soll die ersten 120 Minuten nicht in ihrer Exzellenz schmälern. Vielleicht kann man in ein paar Jahren ja auf einen Fancut hoffen, der das Ende noch korrigiert.