Zootopia ★★★★½

spoilerfreie Bewertung
Jeder kennt bestimmt Fabeln, meistens weil man sie in der Schule gelesen hat. Oft nervensie, weil sie so verdammt moralisch sind und alles nur ein offensichtlicher Vorwand ist um zu belehren. Jedenfalls ging es mir immer so.
Zootopia bzw. Zoomania (why?) ist eine Fabel wie aus dem Lehrbuch. Mit vermenschlichten Tieren soll eine offensichtliche und hochmoralische Botschaft transpoertiert werden. Das ist nicht unbedingt neu. Doch Zootopia verwendet viel Zeit und Energie um die Fabel aufzubauen. Wie können wir jedes nur erdenkliche Tier vermenschlichen, wie funktionieren sie alle zusammen? Die Welt von Zootopia ist wie eine komplizierte Maschine, bei der jedes Teil aufeinander abgestimmt sein muss. Man erzählt nicht nur eine Geschichte und nimmt halt Tiere weil es lustig ist und für Kinder sein soll, sondern weil man mit den Tieren und ihren Attributen eine Geschichte erzählen will. Eben so wie eine Fabel. So ist zum Beispiel Madagascar eine Geschichte mit Tieren aber keine wirkliche Fabel. Zootopia will aber ausdrücklich eine sein. Und es funktioniert alles hervorragend. Der Film ist moralisch und belehrend, aber weil es um Themen geht die mich jetzt im 21. Jhd. betreffen und keine antiken Autoren bin ich von diesem Film voll auf begeistert. Gleichzeitig bricht der Film auch das Genre der Fabel auf, in dem es mit den Attributen und Vorurteilen die die Tiere von einander haben herumspielt.

Worum geht es?
Die Häsin Judy Hopps möchte Polizistin werden. Doch sie lebt auf dem Land und ihre Eltern sind Karottenfarmer und wollen, dass auch Judy Karottenfarmerin wird. Deshalb geht sie nach Zootropolis, die zentrale Stadt dieser Welt, die mit dem Motto: "No matter what you are, you can be anything" wirbt. Kurz nach ihrer Ankunft wird sie desillusioniert. Als erste Häsin in einer Polizei voller großer Tiere darf sie nur Politesse sein. Doch schnell versucht sie eine Reihe von Entführungen aufzuklären. Dabei hilft ihr der Fuchs Nick Wild. Hase und Fuchs begeben sich auf die Suche nach dem Otter Emmet Otterton.

Worum geht es wirklich?
Zootopia handelt von Rassismus, Misogynie und generell Vorurteilen. Die Hauptstadt Zootropolis scheint aus der ferne der Schmelztigel zu sein, in dem jeder alles sein kann doch auch hier gibt es Vorurteile und Ausgrenzung. Die Autoren haben besonders das Thema Rassismus im Zusammenhang mit Polizei und den Medien in den Fokus ihrer Geschichte gestellt.
SPOILER
Es scheint erst so als ob Raubtiere plötzlich wieder in ihren wilden Status zurückfallen, eine Arte Epidemie. Demnach fordern die Beutetiere Schutz. Raubtiere werden nicht mehr in öffentlichen Berufen oder Ämtern besetzt, weil sie kein gutes Image haben und generell zerreist sich die Stadt zwischen Wildtieren und Beutetieren. Doch dann kommt heraus, dass alles nur eine Verschwörung war. Durch ein Nervengift wurden Raubtiere gezielt wild gemacht. Und mit einer medialen Kampagne die Vorurteile weiter geschürt. So wie Schwarze eben in den Medien oft als krimineller oder "street" dargestellt werden. Ein rassistisches Argument, dass Schwarze von Natur aus agressiver seien (kennt man ja auch aus Deutschland in Zusammenhang mit Geflüchteten) kommt genau so in Zootopia vor. Sie werden sogar zuerst von der Protagonistin Judy propagiert.
Der Film zeigt sehr gut wie sich Rassismus durch schleichende Vorurteile schnell verbreitet und dass man selbst nicht davor gefeit ist, so wie Judy.
In der Essenz sagt Zootopia: Jeder ist von Vorurteilen betroffen und jeder hat welche. Selbst wenn man glaubt keine oder sie unterdrückt zu haben. Und auch wenn einem die Welt schon sehr offen und vorurteilsfrei vorkommt gibt es immer noch welche und man sollte es nicht einfach nur bei schönen Sprüchen belassen. Der Film wird einigen nicht gefallen, weil sein Botschaft offensichtlich und fronatal erzählt wird. Aber micht hat die Mühe begeistert, die in diese Welt gesteckt wurde um die sehr wichtige Botschaft einmal so deutlich rüber zu bringen.