The French Dispatch

The French Dispatch ★★★★

Wes Anderson inszenierte mit The French Dispatch einen wunderbar gekonnten, kurzweiligen Film, der in seiner Erzählstruktur ungewöhnlich, aber großartig, drei verschiedene Geschichten von Journalisten erzählt, welche nicht skurriler ihren Lauf nehmen könnten.

Charmant, witzig und doch tiefgründig. Die erste Geschichte, welche von einem Gefängnisinsassen handelt, der zu einem berühmten Maler wird und mit sich zu kämpfen hat, wird von der ersten Journalisten einem Publikum übermittelt. Doch bevor die von Tilda Swanton gespielte Figur ihre Handlung schildert, zeigt Owen Wilson's Charakter die Stadt. Diese Formulierung allein wirkt bereits seltsam, doch selbst wenn der Zuschauer einen kleinen Einblick in die Stadt, in der das French Dispatch haust, erlangt, ist das wahnsinnig unterhaltsam. Theaterähnliche Perspektiven und makabere Sequenzen stimmen mit einem Mal perfekt auf die erste Rubrik ein.
Was so fabelhaft funktioniert in The French Dispatch ist die eigentliche Quintessenz des Films. Die eingteilten Rubriken und Seiten, lassen wunderbar das Gefühl aufkommen ein Teil einer Zeitung zu sein. Während die erste Rubrik sich mit Kunst beschäftigt und die zweite mit Politik, ist die dritte Kochrubrik wohl die skurrilste.

Ungewöhnlich, tragisch, unvorhersehbar. Die erste Rubrik, welche sich mit Kunst auseinandersetzt, kommt direkt völlig losgelöst daher. Mal in schwarzweiß, mal in kunterbuntem Farbschema, erzählt einem die Schreiberin der Rubrik die Geschichte dieses sonderlichen Malers. Als Einstieg funktioniert diese tadellos und schafft es mit Witz für Unterhaltung zu sorgen, ist aber auch in seiner Visualität etwas wahrlich besonders. Man erfährt zwar in jeder Rubrik nicht viel über die Figuren, jedoch ist Charaktertiefe nicht von Nöten, schließlich soll die Handlung, wie in einer Zeitung kurz erzählt werden.
Die zweite Rubrik glänzt mit ihrem anderen Setting und von grundauf anderem Ansatzpunkt. Der junge Aktivist, gespielt von Timothee Chalamet, in einer tragisch endenden Geschichte handelnd von politischen Gesetzen und kritischen Fragen. Auch die zweite Rubrik spielt mit dem Setting, kommt dennoch ein wenig ernster rüber. Dennoch sind das Schachspiel auf Distanz, oder die Szene, in der die Bar der Studenten beleuchtet wird, wirklich unterhaltsam, aber mit einem historischen Beigeschmack, welcher keinesfalls negativ im Bezug zum Film aufzufassen ist.
Die dritte und für mich stärkste Rubrik des Kochens handelt von einer Polizeistation, ihrem Kommissar und seinem Sohn, der entführt wird. Auf einer unglaublichen Weise gelingt das gefeierte Essen des Kochs der Polizeistation es jedoch vergiftet, die Entführer auszuschalten, was in einer animierten Verfolgungsjagd mündet. Ja, tatsächlich ist das Ende der dritten Rubrik ein wenig animiert, was fantastisch over the top funktioniert. Auch Schusswechsel wirken unterhaltsam, lächerlich, aber in keinster Weise fehl am Platz. Die Kreativität, welche Wes Anderson hier einfließen ließ ist in jeder Sequenz spürbar.

Großartige schauspielerische Leistungen, Kameraarbeit in Perfektion und ein fehlender roter Faden. Die wirklich prominente Besetzung schafft es tadellos, die verrückten Momente auf den Bildschirm zu projezieren. Ob im kleineren Format, oder in seltenen Augenblicken im größeren Format, die Schauspieler meistern ihre Rollen in jeder Rubrik. Doch die Kameraarbeit war es, die mich neben der Kreativität am meisten faszinierte. Ob seitliche Schwenker durch Räume, Fahrzeugszenen, oder die Nutzung von zwei nebeneinander laufenden Sequenzen, wie eben Bilder in einer Zeitung, in jedem Moment steckt Liebe drin. Großartig! Dennoch kam die umrundetete Geschichte zu kurz. Klar, man wollte sich mehr auf die Rubriken fokussieren und anfangs, war bereits eine Erläuterung, doch um die gesamte zusammenlaufende Handlung besser forciert zu kombinieren wären einige weitere Aspekte sicherlich bereichernd gewesen.

Insgesamt ist The French Dispatch aber ein origineller, kreativer und toll inszenierter Film, welcher durchaus eher spezifisch, aber dennoch kurzweilig und wahnsinnig unterhaltsam ist.

Waarts liked these reviews

All