The Northman

The Northman ★★★½

Mit diesen Erwartungen ist es immer so eine Sache. Während sie für die einen zur Bürde werden können, führen sie, wenn sie zu hoch angesetzt wurden, bei anderen unweigerlich zur Enttäuschung. Nun hat der Filmemacher Robert Eggers mit THE NORTHMAN dahingehend zwei Dinge bewiesen:

Erstens: Mit seinen ersten beiden Filmen THE VVITCH (2015) und THE LIGHTHOUSE (2019) hat er die Messlatte derart hochgelegt, dass THE NORTHMAN die dadurch entstandene Erwartungshaltung nur unterlaufen konnte.

Und Zweitens: Zwar ist dieser Film bis dato Eggers‘ teuerster Film, aber mehr Budget bedeutet nicht zwangsläufig auch ein besseres Ergebnis.

Doch der Reihe nach. Worum geht es eigentlich in THE NORTHMAN?

Der junge Prinz Amleth (Oscar Novak) muss mit ansehen, wie sein Vater, König Aurvandil (Ethan Hawke), von dessen Bruder Fjölnir (Claes Bang) getötet wird. Amleth kann Fjölnirs Schergen knapp entkommen und schwört, sich eines Tages an ihm zu rächen.

So sind die Jahre ins Land gezogen. Amleth (nun gespielt von Alexander Skarsgård) ist zu einem Mann herangewachsen und inzwischen Teil einer mordenden und brandschatzenden Bande von Berserkern. Nach dem Überfall auf ein Dorf scheint, wie durch eine Fügung des Schicksals, nun endlich Amleths Chance gekommen zu sein, um seinen einstigen Schwur zu erfüllen.

Was sich daraufhin entspinnt, ist eine Rachegeschichte in Reinform. Etwas wenig für knapp 70-90 Millionen US-Dollar und 137 Minuten Laufzeit, könnte man meinen. Und in der Tat wirkt die Story von THE NORTHMAN etwas dünn. Dass es aber durchaus funktionieren kann, wenn sich ein Revenge-Film nur auf das Wesentlichste konzentriert, haben bereits andere Werke wie THE REVENANT (2015, R: Alejandro G. Iñárritu) oder MANDY (2018, R: Panos Cosmatos) bewiesen.

Allerdings scheint das Motiv für die Rache hier kaum über einen mehr als fragwürdigen Ehrbegriff hinauszugehen. Anstatt sich also eingehender der Charakterzeichnung zu widmen und die Motivation der Figur so noch ein wenig nachvollziehbarer zu gestalten, liegt das Hauptaugenmerk von Eggers stattdessen auf dem World Building. Doch so interessant es auch sein mag, mehr über die Bräuche und Riten, die Mythologie und den Glauben aus dieser entworfenen Welt zu erfahren, so essentiell wäre es gewesen, der Hauptfigur einige zusätzliche Facetten zu verleihen.

Gleichzeitig scheint es aber das zugrundeliegende Konzept des Films zu sein, nur das Nötigste zu erklären. Ansonsten verfolgt Eggers weitestgehend das Prinzip Show, don‘t tell, wodurch die Deutung über das Gezeigte dem Publikum oft selbst überlassen bleibt. Der positive Effekt, den diese Art des Erzählens mit sich führt, ist, dass die Welt dadurch ungleich größer und komplexer anmutet. Im Kontrast dazu erscheint alles aber auch etwas abstrakter. Die Figuren und ihre Motive sind kaum greif- bzw. nachvollziehbar, was eine emotionale Verbundenheit verhindert.

An der Visualität von THE NORTHMAN gibt es, abgesehen von einigen wenigen schlechten CGI-Effekten, kaum etwas zu bemängeln. Auch wenn keine überdimensionalen Schlachten bestritten werden, ist das Bild dennoch wie für die große Leinwand geschaffen. Und die wenigen Actionszenen die es gibt, sind außerordentlich gut getimt, choreographiert und stets übersichtlich gefilmt.

Am Ende mag THE NORTHMAN zwar Robert Eggers‘ bisher schwächster Film sein, aber völlig auf Grund gelaufen ist dieses Schlachtschiff keineswegs. Formal nahezu perfekt, lässt das bildgewaltige Werk nur leider an Fallhöhe und emotionalen Tiefgang vermissen.

Block or Report

wordspersecond. liked these reviews

All