Dune

Dune ★★★★½

Nun ist es also so weit. Dune ist endlich in den deutschen Kinos zu sehen. Was habe ich auf diesen Film gewartet. Was war ich enttäuscht, als er 2020 verschoben wurde. Um fast ein ganzes Jahr. Die Erwartungen nach den Trailern war enorm und die Vorschusslorbeeren befeuerten diesen Hype ins Unendliche. Mit Dennis Villeneuve setzte sich schließlich einer der visionärsten Regisseure mit einem der wegweisendsten SciFi Romane unserer Zeit auseinander. Was sollte also schiefgehen? Und trotzdem blieb und bleibt die Angst… Auch nachdem ich den Kinosaal verlasse. Doch wir sollten nach Dune eigentlich keine Angst haben dürfen. Denn Angst tötet den Verstand und Dune ist wahrlich ein Epos und Meisterwerk geworden. Aber evtl. nicht für jeden... Und das ist auch das Problem des aktuellen Kinos. Das Kino stirbt und der Kampf um Arrakis ist eine Schicksalsschlacht für selbiges…

Ich spare mir jetzt jegliches Gerede darüber, wie sehr Dune doch ein waschechter Kinofilm ist. Ja! Das ist er verdammt nochmal. Das schreibt zur Zeit jeder und sie haben alle verdammt nochmal recht! Dune wurde fürs Kino gemacht! Thema erledigt! Unbedingte Pflichtveranstaltung zur Erstsichtung! Soviel dazu...

Womit die Kritiker aber zum großen Teil auch recht haben: Dune ist auch ein verdammt guter Film und Villeneuve schafft es auch mit einem Mythos aufzuräumen. Dem Mythos, dass der Wüstenplanet nicht verfilmbar wäre. Bei Muhadib, hier wurde sich wirklich mit dem Stoff auseinandergesetzt. Man merkt einfach, dass es nicht eine bloße Phrase war, als Villeneuve sagte, er hätte hier ein Herzensprojekt in der Mache. Man spürt beim Zusehen, dass es wahr ist. Dieser Film wurde von jemanden gemacht, der den Stoff verstanden hat. Der den Wüstenplaneten selbst in seinem Kopf bereist hat. Und das ist wirklich verdammt befriedigend für mich als Zuschauer, der sich selbst mit den Büchern und dem Stoff beschäftigt hat.

Ich selbst habe mich seit der Kindheit mit dem Wüstenplaneten auseinandergesetzt. Erst in den PC-Spielen, dann in der ersten Verfilmung und zuletzt zur Einstimmung habe ich tatsächlich aus Vorfreude die ersten zwei Bücher gelesen. Ich kann also jetzt ein Stück weit beurteilen, ob Dune nun gut verfilmt wurde. Und ja, das wurde er eindeutig. Jede Szene versetzt mich sofort an die Stelle des Buchs und ich freue mich, dass viele “Kleinigkeiten” ihren Weg in den Film geschafft haben. Im Gegensatz zum Lynch Film lässt man sich hier schon zu Beginn viel mehr Zeit. Man beleuchtet die Herkunft der Charaktere und die Heimat der Atreides. Erklärt Motive und Zusammenhänge. All das, was eben auch im Buch etwas genauer beschrieben wird und wichtig für die eigentliche Handlung ist. Alles wirkt weit weniger gehetzt und geerdet. Trotzdem bleiben einige wichtige Details kryptisch. Vor allem das Worldbuilding kommt hier leider etwas zu kurz. Dazu komme ich aber später nochmal.

Ohne weiter auf die Handlung einzugehen, kann man aber unterm Strich eines festhalten: Ich als Dune Fan habe hier genau das bekommen, was ich so inständig gehofft habe nach alle den letzten Jahren der Ankündigung. Kein Funken Enttäuschung. Villeneuve liefert hier volles Brett ab. Der Cast ist überragend. Jede*r Einzelne*r! Die Kamera über jeden Zweifel erhaben! Tolle Bilder werden uns hier auf die Leinwand gezaubert, die genau für diese Dimension gemacht wurden. Gigantismus! Effekte, Sound und vor allem der Score ein Gedicht. Eine Symphonie. Das ist wirklich alles ganz großes Kino.
Zudem wird es einem ganz großen Epos der Literatur auch vollends gerecht. Bis jetzt! Denn Dune ist bekanntlich nur die erste Hälfte des Buchs. Wenn ich überhaupt irgendwas zum Kritisieren finden möchte, dann ist es die doch etwas überzogene “Sterilität”. Denis Villeneuve zeichnet hier ganz wunderbare Bilder auf die Leinwand. Aber seine Vision wirkt auf mich etwas zu “kalt”. Das war mir schon bei den Trailern bewusst. Das ganze Set und die Kostüme und das große Ganze. Das ist alles sehr “glatt” und modern. Ohne Ecken und Kanten. Schwer zu beschreiben, aber im Grunde ist das auch genau sein Stil, den ich so liebe. Nur empfinde ich das bei Dune etwas befremdlich. Die Darstellung der Wüste wirkt für mich eher kalt und könnte genauso in der Eiswüste der Antarktis spielen. Hier hätte ich den typischen Villeneuve Look etwas zurückgefahren oder durch den “orangen” Filter von Blade Runner erneut angesetzt. Die Kostüme und Fahrzeuge sind stellenweise zu “sauber” und alles wirkt insgesamt steril und hyper minimalistisch. So würde ich es am ehesten beschreiben wollen. Rein subjektiv.

Dafür sind die Effekt weitgehend sensationell. Man merkt die praktischen Effekte. Gerade bei den libellenartigen Ornithoptern kann man die Haptik des Fluggeräts förmlich spüren. Hier wurde wirklich Wert darauf gelegt, nicht den ganzen Film zu einem CGI Spektakel verkommen zu lassen.

Und hier kommt sie wieder ins Spiel. Die Angst… Warum habe ich überhaupt Angst? Im Grunde wurden all meine Erwartungen fast gänzlich erfüllt.
Nachdem ich den Film heute gesehen habe bleibt für mich das Resümee: Dune ist ein verdammt guter und wertvoller Beitrag was Buchverfilmungen angeht. Er spielt für mich in einer Liga mit Herr der Ringe. Der Vergleich zu “Die Gefährten” kommt nicht von ungefähr, denn Dune ist nur der Beginn einer Reise und endet fast genauso wie der erste Teil der Ring Saga. Nämlich an einem Scheideweg. Nicht nur im Rahmen der Handlung, sondern im gesamten Kontext des Medium Film.

Ich sehe da ein großes Problem auf uns zukommen. Das Buch ist sehr komplex. Die Geschichte sperrig und schwierig zu erklären. Gerade in einem Film mit begrenzter Zeit ist es unglaublich schwer, alle wichtigen Informationen ohne Druck zu übermitteln und verständlich zu machen. Ich sehe Dune aber als jemand, der die Hintergründe kennt. Mir muss man das nicht mehr alles bis ins Detail erklären. Warum gibt es Mentaten und was ist das überhaupt? Warum ist Spice so verdammt wichtig? Wer oder was ist die Raumfahrergilde und warum brauchen die das Spice so sehr? Warum gibt es eigentlich keine Computer in dieser Zukunft und warum schießt man nicht öfter mit Lasern um sich?! Alles Fragen die nicht wirklich im Film erklärt werden. Was macht jetzt jemand, der mit der Geschichte des Wüstenplaneten jetzt überhaupt noch nichts am Hut hatte? Wie nimmt dieser Zuschauer diesen Stoff auf? Ist das alles spannend genug erzählt, um wirklich jeden abzuholen? Genau hier tu ich mir schwer eine Antwort zu finden. Ich persönlich vergebe hier subjektiv sofort 9 von 10 Punkten. Aber wenn ich jetzt ganz ehrlich zu mir bin und mich in die Rolle von jemanden hineinversetze, der mit der Welt überhaupt noch keine Berührungspunkte hatte, dann wüsste ich nicht was ich da vergeben sollte. Rein vom Gefühl her würde mich der Film vermutlich etwas ratlos zurücklassen. Das hat damals bei Herr der Ringe für meine Begriffe etwas besser funktioniert. Dort wurde man in die Welt geworfen und erhielt eine ausreichend lange Zusammenfassung zu Beginn der Reise. Ich habe die Ringbücher bis heute nicht gelesen und hatte trotzdem seit damals nie das Gefühl etwas Elementares nicht verstanden oder verpasst zu haben. Ob Dune das bei “Unkundigen” auch schafft oder zumindest eine interessante und spannende Geschichte erzählt, müssen letztendlich die Zuschauer entscheiden.

Klar. Das Erlebnis im Kino ist so oder so ein Kracher. Ohne Frage. Aber wie gut funktioniert die Geschichte ohne den Kontext und das Vorwissen. Zumindest im Nachhinein müsste man sich mit vielen Dingen nochmal auseinandersetzen, um sie wirklich zu verstehen. Und da ist auch Problem der momentanen Zuschauerschaft. Wer macht sowas heutzutage denn noch? Schaut man sich die erfolgreichsten Filme der letzten Jahre an, dann bleibt man automatisch bei 2F2F und Marvel Filmen hängen. Oder Disneys Allerlei… Fortsetzungen… Wiedergekäutes. Wenig Anspruch. Und ich darf es sagen und offen kritisieren. Auch ich bin Fan von Star Wars und schau die Marvel Filme. Aber anspruchsvoll und mutig ist und war das alles halt nicht in den letzten Jahren. Und das prangere ich auch seit Jahren an. Diese Mutlosigkeit der letzten Jahre ist zumindest im Blockbuster Bereich allgegenwärtig.

Und da liegt meine Angst begründet: Dune ist zum Erfolg verdammt. Dune ist anspruchsvoll und komplex. Dune ist Kino wie es sein sollte. Faszinierend, bombastisch aber nicht plump. Ernsthafte Themen und cineastische Unterhaltung in einem. Und Dune braucht einen zweiten Teil und ist vom Erfolg des Ersten abhängig. Und DAS mitten in der Corona-Krise, die die Kinolandschaft sowieso zusätzlich beutelt. So war auch heute das Kino am späten Nachmittag quasi leer. Ich bin gespannt, wie die ersten Wochen für den Film laufen und was die Einspielergebnisse sprechen werden.

Meine These: Wenn etwas so mutiges und anspruchsvolles wie Dune im Blockbuster Bereich scheitert, dann ist das Kino wie ich es liebe nahezu tot. Dann werden uns die Studios nur mit garantierten Erfolgen zuschütten. Marvel Filme noch und nöcher. Kein Mut zur Innovation oder zur Verfilmung angeblich unverfilmbarer Werke. Dune ist somit zum Erfolg verdammt. Man darf aber auch noch auf WB hoffen. Selbst wenn Dune kein finanzieller Erfolg wird, würde ich es mir als Studio und Produzent zweimal überlegen, ob ich so einem Film die Unterstützung streiche. Hier ist jede Menge Prestige dabei. Denn Dune kommt bei den Kritikern bis jetzt sehr gut an. Dieser Film MUSS vollendet werden. Alles andere wäre eine Kapitulation des Anspruchs und des Kinos. Bei dieser düsteren These bleibe ich.

Ich persönlich bin selbst einen Tag nach der Sichtung ziemlich geflashed und überwältigt. Ich denke, ich werde ihn mir nochmal im Kino ansehen. Ich hoffe wirklich, dass meine Prognose nicht wahr wird und wir uns bald über das “grüne Licht” für den zweiten Teil freuen dürfen. Den Dune hat es wirklich verdient so würdig verfilmt zu werden. Ich bin wirklich gespannt, wie dieser Film in der Allgemeinheit ankommen wird.

Und ohne zu spoilern endet der erste Teil auch genau an diesem angesprochenen Scheideweg. Es ist der Beginn einer neuen Geschichte. Nach soviel Leid und Krise für das Kino. Wir dürfen ganz einfach keine Angst haben. Fear is the Mindkiller…

Yogthuluh liked these reviews

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