Dancer in the Dark ★★★★★

Da habe ich wohl das traurigste, tristeste und hoffnungsloseste Musical aller Zeiten gesehen. Was für ein furchtbarer und zugleich beeindruckender, berührender, verblüffender und absolut einzigartiger Film. DANCER IN THE DARK zeigt ganz simpel, dass Musicals im Kino eigentlich noch viel mehr Möglichkeiten hätten und beweist auf kreative und schockierende Weise, wie vielfältig das Genre eigentlich sein kann. Denn verblüffender Weise funktioniert Lars von Triers niederschmetternde Tragödie mit all seinen Gesangseinlagen einwandfrei. Die Musik ist nicht nur eine schöne Flucht aus der grausamen Realität, nein, sie hat einen unglaublich tiefen, berührenden Unterton und steigert sich mit dem Film immer dramatischer bis zu seinem herzzerreißenden Finale. Der Film funktioniert vom Aufbau her wie ein klassisches Musical und macht dann doch alles irgendwie ganz anderes.

DANCER IN THE DARK macht in jeglicher Hinsicht eigentlich immer genau das Gegenteil von dem, was ein klassisches Musical machen würde und setzt einfache aber tolle Musik-, Tanz- und Gesangseinlagen in den Kontrast zur tristen Realität von Selma, die langsam ihr Augenlicht verliert und in einen elenden Strudel der Grausamkeit gezogen wird, in dem ihre voranschreitende Blindheit das kleinste Problem zu sein scheint. Selmas Flucht in ihre verträumte Musical-Welt war auch für mich als Zuschauer eine sanft beruhigende Wohltat, zumindest zunächst noch, denn mit jedem Lied wird auch Selmas Musicaltraum immer schwerer und alles steigert sich immer mehr zum großen Finale hin.
Wo man in normalen Musicals dann allerdings aufspringen und aus vollster Kehle mitsingen und mittanzen will, möchte man in DANCER IN THE DARK zusammen mit Selma eigentlich nur noch schreien und weinen.

Ich würde DANCER IN THE DARK als "wunderschöne Grausamkeit" betiteln. Das triste, deprimierende, hoffnungs- und ausweglose Kino wird hier schmerzhaft genial mit dem vermeintlich glücklichsten, buntesten und fröhlichsten aller Genres vermengt und heraus kommt irgendwas, das mich zutiefst berührte, das mich zutiefst faszinierte, das mich zutiefst frustrierte. Aber DANCER IN THE DARK ist auch ein Film, der nicht nur durch seine einzigartigen Musicaleinlagen besticht, sondern auch durch die schlicht brillante, fesselnde, bärenstarke und zutiefst tragische Hauptfigur Selma, die von Björk unvergleichlich intensiv verkörpert wird.

Nie war das deprimierende, hoffnungslose und zutiefst triste, grausame Kino so schön ... ich bin am Ende!

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