The Hunt

The Hunt ★★★★

Konservative gegen Liberale, Rechte gegen Linke ... unerwartet stark fokussiert sich THE HUNT tatsächlich auf den Kampf zwischen diesen beiden politischen Gegensätzen. Wo ich zu Beginn noch dachte, der Menschenjagd-Thriller würde lediglich mal hier-, mal da einen politischen Kommentar fallen lassen und sei so irgendwie ins Visier der Republikaner und so letztendlich auch in Trumps Aufmerksamkeit geraten, wurde ich sehr schnell damit überrascht, dass Craig Zobels Film tatsächlich von Anfang bis Ende das Politik-Thema durchzieht und das auch alles andere als dezent oder zurückhaltend.
THE HUNT ist so direkt, wie brutal und so bitterböse zynisch, wie durchgeknallt, was dann insgesamt eine Mischung ergibt, die mich verboten gut unterhielt und zugleich intensiv zum nachdenken anregte. Den ganzen Film über fragte ich mich, ob THE HUNT unglaublich clever oder unglaublich dämlich ist.

Tatsächlich wusste ich lange Zeit über gar nicht, auf welcher Seite dieser Film eigentlich steht, was ich wirklich extrem irritierend fand. Die Gejagten sind hier die rechtsgesinnten waffennärrischen Nationalisten (kurz: Trump-Wähler) und die Jäger sind versnobte, überreiche und auf politisch korrekte Ausdrücke bedachte Linke und THE HUNT macht sich über beide Extreme zugleich lustig. Ein gefährlicher und zugleich auch irgendwo genialer Schachzug, denn einerseits könnten beide Parteien so am Ende irgendwo in diesen Film hineinfinden, andererseits werden sich vermutlich beide politische Extreme dadurch auch genau das rausziehen, was sie hören/sehen wollen und am Ende könnten sich beide Parteien nur in ihren Anschauungen über den Anderen bestätigt fühlen und darüber lachen, ohne weiter nachzudenken, womit der Film praktisch komplett sinnlos wäre und sich jeder Brisanz selbst berauben würde. Aber mich hat THE HUNT zum nachdenken gebracht. Sehr sogar.

Wer sich einmal in einem sozialen Netzwerk in die Abgründe der politischen Posts begibt, erkennt sehr schnell, dass die politische Mitte längst verschwunden ist. Längst wird hier nur noch in Links und Rechts unterschieden und beide Parteien bekriegen sich im Netz praktisch "bis aufs Blut" ... und THE HUNT setzt genau das filmisch um.
Dieser Film positioniert sich auf keine Seite und zieht es vor, sich über beide Seiten lustig zu machen, auf sehr extreme, sehr direkte, grobe Art, alles andere als subtil und gerade das gibt THE HUNT einen unerhört bissigen Charme, der perfekt zu dieser bitterböse überdrehten Handlung passt.
THE HUNT zerlegt den amerikanischen Traum in einer simpel brillanten Szene (Hase & Schildkröte), beobachtet zynisch das amerikanische Zweiparteiensystem, genauso wie politische Hetze, Gewalt und Hass im Internet, die er in absurd brutale Bilder umwandelt. Und am Ende positioniert er sich gegen Vorurteile, was aber vielleicht etwas zu kurz kommt, genauso wie ich die leichten Anarchie-& Nichtwähler-Ansätze gegen Ende eher kritisch sehe.

Dennoch hätte ich es aber wirklich nicht geglaubt, dass ausgerechnet THE HUNT mich so zum Nachdenken bewegt und zugleich das Kunststück vollbringt und mich so sensationell gut unterhält. Vor allem im ersten Drittel häuften sich hier die total irrwitzigen Überraschungen und die völlig absurde Brutalität ist genauso passend, wie die klischeedurchtränkten, politischen Lager im Film, die genauso "In Your Face" sind, wie die rohe Gewalt eben auch.
Das Finale war dabei der absolute Kracher und Betty Gilpin in der Hauptrolle ist für mich eine sensationelle Neuentdeckung. Was für ein irrer Film. Direkt und ungewöhnlich, eine starke Mischung.

Peace.