App ★★★½

Der erste Second Screen Horrorfilm, bei dem man parallel eine Smartphone App laufen lässt.... klingt nach einem interessanten Experiment, das wollte ich miterleben!

Thematisch passt's perfekt, denn es geht um eine mysteriöse App, die nichts Gutes im Schilde führt und schwer wieder los zu werden ist. Viel mehr braucht man eigentlich nicht zu wissen, denn die Handlung ist zugegebenermaßen ziemlich 08/15 geraten. Allerdings hebt sich der Film durch einige Dinge wohltuend vom Einheitsbrei ab: Die Hauptdarstellerin hat mir sehr gut gefallen, sie spielt überzeugend und darf auch mal wütend werden, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Was in vielen Filmen misslingt, ist der Umgang mit Technikthemen, aber hier wird erstaunlich realistisch gezeigt, wie Smartphones bereits unseren Alltag bestimmen. Ohne betont cool dabei wirken zu wollen benutzt sie einfach jeder, so wie es halt tatsächlich ist. Das mag wie eine Nebensächlichkeit klingen, hat dem Film aber in meinen Augen Sympathiepunkte beschert.

Und dann ist da natürlich noch die "Second Screen" App, die man parallel auf dem eigenen Smartphone laufen lassen kann. Ja, man wird ausnahmsweise mal nicht dazu aufgefordert, die Handys im Kino AUSzuschalten, sondern man soll sie ANschalten. Die App orientiert sich an Signalen in der Tonspur des Films und blendet immer wieder kurze Szenen ein. Botschaften, Zeitungsartikel, Alternative Kameraperspektiven, Chatlogs der Charaktere, den Inhalt des Smartphones im Film... Allerdings sind es keine interaktiven Inhalte, sondern wirklich nur was fürs Auge. Damit man nichts verpasst, wird man durch ein kurzes Vibrieren darauf hingewiesen, wenn es etwas zu sehen gibt. Der Filmschnitt ist ebenfalls darauf abgestimmt, damit die App-Nutzer nicht den Anschluss verlieren.

Sicher hätte man da noch mehr draus machen können, allerdings ist die App so schon ziemlich groß geraten und der (übrigens sehr sympathische) Regisseur erzählte bei einem nach der Vorführung stattfindenden Q&A Runde, dass sie nur sehr wenig Zeit und Geld für die Entwicklung zur Verfügung hatten. Es wird ein U.S. Remake mit größerem Budget geben, das vielleicht mit einer interaktiveren App aufwarten kann. Bis dahin ist APP aber schon mal ein vielversprechender erster Schritt. Es hagelte von einigen Seiten im Vorfeld Kritik, weil die Angst da war, dass bald alle Kinosäle voll von Menschen mit eingeschalteten Smartphones sind. Aber das halte ich für extrem unwahrscheinlich und auch der Regisseur gab zu bedenken, dass so etwas natürlich nicht bei jedem Film Sinn macht. Es ist sowieso nur ein Extra für Leute, die im Kino ein ungewöhnliches Event erleben wollen. Wer keine Smartphones mag, kann den Film ohne die App genau so genießen, da sie nicht notwendig ist, um die Handlung zu verstehen (sie greift nur an einer Stelle etwas vor). Anders als 3D wird einem die Second Screen Technik NICHT aufgezwungen.

Für mich war es wie gesagt eine spannende Sache, allerdings hat man auch bemerkt, was die Nachteile dieser Technik sind. Es würde mir schwer fallen, komplett in einen anspruchsvolleren Film einzutauchen, wenn ich währenddessen immer wieder auf mein Smartphone gucken müsste. Es reisst einen halt doch etwas aus der Illusion heraus. Gegruselt hat man sich bei APP übrigens nicht wirklich, was aber vor allem an der Machart des Films lag, der viel Wert auf Action legt. Ich würde gerne einmal sehen, wie eine Second Screen App dazu genutzt wird, einen richtig gruseligen Horrorfilm auf der Horrorebene zu bereichern. Da gibt es sicher viele Möglichkeiten, wenn es gut gemacht ist. Vielleicht per Augmented Reality, so dass man "durch" den Bildschirm auf die Leinwand sieht und so zusätzliche Dinge wahr nimmt? Auf jeden Fall hat Second Screen Potential, man sollte aber dabei bleiben, Filme speziell dafür zu drehen, und es nun nicht jedem nachträglich aufs Auge drücken. Als kleiner Spaß für zwischendurch spricht nichts dagegen, und mehr will es ja nicht sein.

Und an dieser Stelle mal ein dickes Lob an das Fantasy Filmfest, dass sie offen für solche Experimente sind! Es gibt halt doch mehr als nur 3D.