Bound to Vengeance ★★★★

Bei Rape & Revenge denkt man zuerst an frauenverachtende Schmuddelfilmchen, in denen Folter- und Vergewaltigungsszenen unter dem Vorwand zelebriert werden, dass die Opfer sich ja hinterher dafür rächen dürfen. BOUND TO VENGEANCE schafft es, dieses Genre aus den Videothekenhinterzimmern der 80ern hervorzukramen und wesentlich geschickter zu modernisieren, als der unsägliche MORITURI von vor einigen Jahren. Moment, hat der das überhaupt versucht? Und da gab es auch keine Rache... Na jedenfalls deutet BOUND TO VENGEANCE die Torturen einer verschleppten Frau nur an, und beginnt an dem Punkt, an dem sie es schafft, sich zu befreien. Wir wissen sowieso, was ihr passiert ist, also muss es nicht extra gezeigt werden. Stattdessen wird sich komplett auf den Revenge Part konzentriert. Und das funktioniert gut!

Die Protagonistin erfährt schnell, dass sie nicht das einzige Opfer war, sondern dass noch weitere Frauen in anderen Häusern gefangen gehalten werden. Sie beschließt, mit ihrem gefesselten Peiniger zu ihnen zu fahren, um sie zu befreien - denn nur er kennt die Verstecke. Dass die Befreiungsaktionen nicht ganz reibungslos verlaufen und einige Überraschungen auf sie warten, kann man sich denken. Und wie sie sich langsam von Rache getrieben vorarbeitet, und dabei immer mehr Hintergründe des Verbrechens aufdeckt, trägt tatsächlich einen ganzen Film. Es bleibt durchgängig spannend. Brutal auch, allerdings kann ich nicht verstehen, wieso angeblich Leute wegen der Härte den Saal verlassen haben. Es gibt weder Folter- noch Vergewaltigungsszenen. Das Thema ist natürlich unangenehm, aber dafür ist der Umgang damit noch vergleichsweise zurückhaltend.

Was man BOUND TO VENGEANCE vorwerfen kann, ist höchtens, dass er eine bestimmte Wendung anscheinend selber für überraschender hält, als sie für den halbwegs mitdenkenden Zuschauer ist. Das cleverste Drehbuch hat er dann halt doch nicht. Und natürlich kann man sich fragen, warum das Opfer selber Hand anlegt, anstatt einfach die Polizei zu rufen. Aber wisst ihr was? Mir gefällt die Vorstellung, dass sie nach monatelanger Qual knallhart Rache nehmen will! Dafür sind Filme da, und ich sehe mir lieber eine fiktive, mitreißende Rachestory an, als in Facebook-Kommentaren echte Selbstjustiz zu propagieren, was man ja leider oft genug lesen muss. BOUND TO VENGEANCE hat mich gut unterhalten und damit meine (zugegebenermaßen ziemlich niedrigen) Erwartungen übertroffen.

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