Brother Bear ★★

Man merkt, dass Disney zu dieser Zeit beschlossen hat, die Produktion klassischer Zeichentrickfilme einzustellen - BÄRENBRÜDER ist sowohl handwerklich, als auch was die Phantasie angeht, furchtbar gewöhnlich geraten und für einen Disneyfilm habe ich mich erstaunlich viel gelangweilt. Intellektuell ist das ganze so fordernd wie eine Tüte Gummibärchen, weil sich die Produzenten anscheinend dachten, dass die Körpertauschidee alleine schon clever genug ist.

Das fängt mit den farblosen Hauptcharakteren an, die bestenfalls wie ein Aufguss von Charakteren aus den großen Disneyhits der letzten Jahre wirken. Kein Wunder, dass man sie nie sieht, wenn die interessanten Disneycharaktere irgendwo aufgelistet werden. Und dann die Sidekicks... fuchtbar eingesetzt. Was mir besonders unangenehm aufgefallen ist, ist dass sämtliche Tierrollen außer den "Brüdern" keinerlei Bedeutung für die Handlung haben. Die Elche? Anfangs witzig mit ihrem Akzent, aber sehr schnell anstrengend. In jeder Szene, in der sie auftauchen, läuft es gleich ab: Sie kommen ins Bild, reißen ihre Sprüche und verschwinden wieder. Das soll gutes Storytelling sein? Das unterfordert doch sogar den Verstand von Vorschulkinder. Das selbe gilt z.B. auch für die kämpfenden Schafe, die nicht helfen oder stören, sondern nur auftauchen, um direkt wieder zu verschwinden. Solche Gags sind nicht schlimm, aber wenn ein Film sie ausschließlich einsetzt, dann wirkt das auf mich sehr lieblos. Es verhindert außerdem, dass ich einen Bezug zu den Charakteren aufbauen konnte. Selbst über die Hauptcharaktere erfährt man nichts, was über das für die Haupthandlung relevante hinausgeht. So bleiben sie flach, wie Schablonen, die außerhalb dieser Episode kein eigenes Leben führen. Und der verkitschte Soundtrack von Phil Collins klingt wie ein schwächerer Aufguss von Tarzan und hat mich deshalb auch eher abgestoßen.

Zu Gute halten muss man dem Film, dass er wie immer wunderschöne Naturaufnahmen bietet und geschickt zwischen zwei Stilen wechselt (Menschen- und Bärenperspektive). Und man hat zumindest versucht, eine eigene Geschichte zu erzählen, mal ohne Prinzessin und Prinz. Aber das hat Disney früher auch schon besser hinbekommen. Ich bin enttäuscht.