Cam ★★½

CAM stellt uns das Doppelleben von Alice vor, die es als sexy Camgirl im Web zu Erfolg bringen möchte, aber sich gleichzeitig schämt, ihrer Mutter davon zu erzählen. Ein bisschen seltsam mutet es an, dass sie bestimmte Regeln hat, aber sich nicht zu Schade ist, fragwürdige Dinge vor der Kamera zu inszenieren... egaaal, sie ist schließlich unsere Protagonistin und wir sollen sie mögen! Dafür passt die Mischung aus unschuldig und verrucht, auch wenn sie nicht immer nachvollziehbar ist. Und seien wir ehrlich, einen Großteil des Reizes dieses Films macht sowieso aus, dass sein Setting im Mainstream-Kino noch ziemlich exotisch anmutet. Brüste und Sexspielzeuge werden bereitwillig in die Kamera gehalten, auch wenn es natürlich nie so weit geht, dass man sich um das Wohlergehen der amerikanischen Zuschauerschaft sorgen müsste. Dazu gibt es viel Plüsch, Schminke und anzügliche Chat-Smileys. Das wirkt trotz offensichtlicher Hollywood-Internet-Technik authentisch genug, was nicht zuletzt an Madeline Brewer liegt, die überzeugend zwischen alltäglicher und Kamera-Persönlichkeit hin und her schaltet. Das war für mich mit das interessanteste... wie sie mit ihren Verehrern klar kommen und den Likes hinterherjagen muss ist bedrückend mizuerleben.

Was mir aber leider gefehlt hat, war über weiter Strecken eine greifbare Bedrohung. Nach einer langen EInführung wird Alices Account von einer Doppelgängerin übernommen, die die Liveshow unter ihrem Namen weiter führt, ohne dass Alice noch einen Einfluss darauf hat, was passiert. Dieses mysteriöse Double sieht nicht nur aus wie sie, sondern hat ihr Zimmer genau so eingerichtet. Gänsehaut-Potential ist dadurch in jedem Fall vorhanden. Aber dann passiert wenig furchtbares. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man den Zugang zu dem Account verliert, der einem den Lebensunterhalt sichern soll. Aber die Doppelgängerin tut nichts Gruseliges, und der Film dümpelt deshalb erstaunlich behäbig vor sich hin. Ich war zwar gespannt, was letztenendes dahinter steckt, aber auch die Auflösung war nicht wirklich befriedigend oder schockierend.

CAM ist einer dieser Thriller, mit denen man sich einen netten Abend machen kann, ohne es hinterher all zu sehr zu bereuen. Aber mehr hat er mir nicht gegeben. Ich empfehle ein Double Feature mit GirlHouse.