Cannibal Terror

Wenn es einen persönlichen Kultfilm von meinem Mann und mir gibt, den wir für Trashabende mit Freunden besonders ins Herz geschlossen haben, ist es CANNIBAL TERROR. Von all den miesen Filmen, die wir schon ertragen haben, kommt keiner an dieses Meisterwerk heran!

CANNIBAL TERROR entstand 1980 im Rahmen der Kannibalen-Welle, und der Regisseur Alain Deruelle hat ihn sich angeblich nicht einmal selber komplett angesehen. Während andere Kannibalenfilme zumindest unter Genre-Fans noch eine gewisse Popularität genießen, ist CANNIBAL TERROR objektiv betrachtet durch und durch ein Desaster. Man muss es mit eigenen Augen sehen, um es zu glauben.

Wir bekommen eine abstruse Kidnapping-Story geboten, bei der das entführte Mädchen sich so unbekümmert wie bei einem Familienausflug benimmt. Bevor sie von den Deppen-Kriminellen ins Kannibalengebiet verschleppt wird, darf sie einige der albernsten Dialoge führen, die mir je untergekommen sind. Die deutsche Synchronisation macht es noch schlimmer... oder besser, denn schnell wird klar, dass man diesen Film nur mit Humor überstehen kann. Er ist so schlecht, dass man nur darüber Lachen kann. Als es dann endlich Richtung Dschungel geht, entpuppt dieser sich als Garten mit Tannenbäumen und ein paar festgebundenen Papgeien. Der Rest wird mit Stock-Material gefüllt, das einen völlig veralteten Farbstich hat und deswegen kein bisschen zum Rest passen will. Im Kannibalendorf wippen blasse Stadtmenschen mit 70er Jahre Koteletten und Fußball-Fanbemalung unmotiviert zu Buschtrommeln, während hin und wieder eine Packung Currywurst verspeist wird. Eine Vergewaltigung (Kannibalenfilm Checkliste...) durch einen der Entführer sieht so aus, dass die entführte Frau sich selber am Seil festhält, mit dem sie gefesselt werden soll. Wann kann man schon von einer dramatisch gemeinten Vergewaltigungsszene behaupten, dass sie unfassbar komisch ist? Hinterher hat das Opfer das traumatische Erlebnis übrigens sofort wieder vergessen. Und dann kommt die Verfolgungsjagd... die wohl langamtigste Verfolgungsjagd der Filmgeschichte. Eine Viertelstunde lang bewegen sich mehrere Gruppen langsam durch einen mitteleuropäischen Mischwald, ohne dass etwas nennenswertes passiert. Und das Finale? Vernachlässigbar. Selbst die Gore Effekte wirken bis auf ein ausgeweidetes Schwein einfach nur lächerlich. Dabei wird soweit ich das Überblicken kann aber glücklicherweise auf den in diesem Genre üblichen Tiersnuff verzichtet, weil keien Tiere vor der Kamera getötet werden.

CANNIBAL TERROR ist ein Trash-Juwel, bei dem man nicht fassen möchte, dass das alles ernst gemeint war. So etwas wird heute wahrscheinlich nicht mehr gedreht... und das ist gut so! Aber ich bin sehr froh, ihn in unserer Sammlung zu haben. In unserer perfekt durchgestylten Instagram-Filter-Welt können Flme wie CANNIBAL TERROR dabei helfen, demütig zu bleiben. Denn sie zeigen uns, dass es immer noch schlechter, hässlicher und liebloser geht. Ein Herz für die Currywurst-Kinderschmink-Kannibalen.