Dinosaur ★★★½

Meine Bewertung enthält einen dicken Nostalgiebonus, denn neutral betrachtet ist Disneys DINOSAURIER nicht gut gealtert.

An der Schwelle zum neuen Jahrtausend waren realistische CGI-Tiere noch eine große technische Herausforderung, und das merkt man vor allem dann, wenn sich die Dinos im Licht bewegen. Im Dunklen oder im Regen funktioniert die Illusion deutlich besser. Überhaupt nicht klappt es leider bei den felligen Äffchen, bei denen ich mich frage, weswegen sie überhaupt eingebaut wurden. Immer wenn sie aufgetaucht sind, konnte ich nicht anders, als über die veralteten Effekte zu grinsen.

Dabei sollte man dem Film zugestehen, dass er für seine Zeit ein Meilenstein war. Das vergisst man leicht, wenn man ihn heute zum ersten Mal sieht. Und hier kommt mein Nostalgienonus ins Spiel. Ich erinnere mich nämlich noch gut daran, wie ich mir mit großen Augen immer wieder den Trailer angesehen habe. Es gab meinem Geschmack nach viel zu wenige Dinosaurier-Filme, und die Kombination aus real gefilmten Hintergünden und am Computer generierten Tieren schien Träume wahr werden zu lassen. Ich freute mich unheimlich auf den Kinobesuch und genoss ihn sehr. Danach habe ich den Film allerdings bis gestern kein zweites Mal gesehen.

Schade, dass DINOSAURIER in einer Zeit entstand, in der computeranimierte Filme das selbe Schicksal teilten wie Videospiele: Die technischen Möglichkeiten waren zu großartig, um sie nicht bereits in vollem Umfang zu nutzen, aber zu wenig ausgereift, um nachhaltig beeindrucken zu können. Die Technik entwickelte sich rasend schnell weiter, und bereits wenige Jahre später konnte man mit der ehemaligen Pionierleistung visuell nicht mehr punkten. Was einen gerade noch zum Staunen gebracht hatte wirkte plötzlich wie ein alter Hut.

Während ich damals über die urzeitliche Welt gestaunt habe, fallen mir heute die Macken des Films mehr auf: Dümmliche Dialoge (Doctor Love, really?), eine ziemlich simpel gestrickte Geschichte (wir müssen von A nach B) und eindimensionale Charaktere. Aber sympathisch sind die meisten trotzdem, und es gab mehrere spannende Momente, die sehr gut inszeniert wurden. Alleine der Anfang mit dem Ei... Dass der Soundtrack von James Newton Howard überaus gelungen ist, kommt dem Film ebenfalls zu Gute.

Letztendlich denke ich, dass man DINOSAURIER als Produkt seiner Zeit sehen muss, bei dem es heute schwer fällt, es zu würdigen. Disney traute sich etwas. Und davor ziehe ich meinen Hut, vor allem wenn ich im Vergleich dazu das LION KING Remake sehe, das zwar mit moderner Technik glänzt, aber den künstlerischen Anspruch vermissen lässt, der hier in vielen Szenen steckt.