Don't Breathe ★★★½

DON'T BREATHE konnte vor zwei Jahren einiges an Lob unter Freunden des gepflegten Horrors einfahren, ähnlich wie später GET OUT oder HEREDITARY. Es handelt sich trotz einiger frischer Ideen allerdings um einen vergleichsweise klassischen Stoff: Junge Menschen geraten an einen gewalttätigen Mann fortgeschrittenen Alters, der mit Waffen und Werkzeug umzugehen weiß und nicht vor hat, sie lebend davonkommen zu lassen. Kennen wir, mögen wir. Daraus entwickelt sich eine kurzweilige Jagd, die mich gut unterhalten hat. Dass der Mann blind und die Protagonisten Einbrecher sind, ist einer dieser Einfälle, die den Film von der Masse abheben. Wer hier die Guten und wer die Bösen sind, wird dann aber doch mit zunehmender Filmlänge sehr klar eingeteilt. Hier hätte man meiner Meinung nach ruhig ein wenig offener bleiben können, auch wenn es so zugegebenermaßen schon schwierig genug war, irgendjemanden sympathisch zu finden.

Was wirklich überflüssig war, war die Anfangsszene. Ja, ich weiß... es ist ein beliebtes Stilmittel in Slasherfilmen, mit einer Szene einzusteigen, in der man ein Opfer in einer ausweglos erscheinenden Situation sieht. Aber was bringt das dem Zuschauer in diesem Fall, außer dass man dadurch 100%ig weiß, wer überlebt? Nix. Man wird grundlos gespoilert, mehr nicht. Wenn man unbedingt mit einer krassen Szene einsteigen möchte, kann man sie auch so drehen, dass man nicht genau erkennt, wen es betrifft.

Auch die Motivation des blinden Mannes war für mich nicht immer nachvollziahbar. Aber hey, diese Art von Film möchte keinen Preis für Realismus gewinnen. Und das ist finde ich auch völlig in Ordnung. Trotz kleiner Macken hat mir DON'T BREATHE einen spannenden Abend beschert. Ihm fehlt die gewisse Cleverness, die GET OUT und HEREDITARY noch eine Klasse besser machen. Aber er hebt sich dennoch wohltuend aus dem Einheitsbrei an B-Movie-Slashern ab und ist deswegen auch ohne große Überraschungen einen Blick wert.