Don't F**k with Cats: Hunting an Internet Killer ★★★½

Diese dreiteilige Netxflix-Reihe beschäftigt sich mit einem aufwühlenden Fall: Ein Unbekannter foltert und tötet Babykatzen vor laufender Kamera und provoziert damit Tierfreunde im Internet. Was sich daraus entwickelt ist eine über Facebook-Gruppen organisierte Online-Jagd auf den Täter, die zwar moralisch fragwürdige Züge annimmt (Menschen werden zu unrecht beschuldigt), aber beachtliche Erfolge hervorbringt. Ein Name... ein Wohnort... doch die Polizei scheint die Internet-Detektive erst ernst zu nehmen, als der Fall größere Züge annimmt.

Die wahre Geschichte, die sich DON'T F**K WITH CATS zum Thema gewählt hat, ist unglaublich. Nicht nur wegen ihrem verstörenden Aufhänger, der mich dazu gebracht hat, an einigen Stellen vorzuspulen. Sondern noch mehr wegen dem, was über den Haupterdächtigen nach und nach ans Licht kommt. Alleine die Stelle mit dem Verhör... Wer sich für ungewöhnliche Kriminalfälle interessiert, sollte einen Blick riskieren.

Allerdings gibt es für mich auch deutliche Schattenseiten. Obwohl die harten Szenen der Videos nicht gezeigt werden, wirkt manches zu reisserisch. Die Darstellung des Täters rutscht manchmal in eine unangenehme Ecke ab. Im Vergleich zu der ebenfalls brutalen NIGHT STALKER Dokumentation haben wir es hier mit jemandem zu tun, der noch lebt. Und wir wissen, dass er ein Narzisst ist, dem die Aufmerksamkeit für seine grausamen Taten enorm viel bedeutet. Um bei NIGHT STALKER zu bleiben: Obwohl der Täter nicht mehr am Leben ist, wird er zu Gunsten der Ermittler und Opfer so wenig wie möglich in den Mittelpunkt gerückt. DON'T F**K WITH CATS gelingt diese Gradwanderung nicht ganz so gut, und dabei wäre sie hier noch wichtiger. Stattdessen bekommen wir ein plattes Ende aufgetischt, dessen Botschaft ich zwar richtig finde, das aber am Ende einer Dokumentation, die sich selber kaum zurückhält, lächerlich und aufgesetzt wirkt. Und die Hobby-Detektive werden abgesehen von wenigen Sätzen eine Spur zu positiv dargestellt. Die Risiken davon, wenn Unbeteiligte auf eigene Faust im Internet ihre Theorien verbreiten, wurden z.B. in THE VANISHING AT THE CECIL HOTEL viel deutlicher gezeigt. Klar - in diesem Fall ist es gut gegangen und die Recherchen haben tatsächlich geholfen. Trotzdem sollte man vielleicht davor warnen, dass es in den meisten Fällen nicht so ist.

Wenn man dieses moralische Dilemma außen vor lässt, bekommt man aber eine sehr gute Aufabreitung geboten, die dem unglaublichen Fall gerecht wird. Beim Nachlesen danach sind mir keine groben Fehler aufgefallen. Es gibt kaum Wiederholungen und das Pacing ist so gut, dass die Zeit sehr schnell vergeht. Technisch habe ich nichts auszusetzen, aber es bleibt dieser leicht bittere Beigeschmack.