First Man ★★★½

Meine Mutter rümpft über Ryan Gosling immer die Nase, weil sie ihn für langweilig hält. Ganz verübeln kann ich es ihr nicht. In den Rollen, in den ich ihn gesehen habe, spielt er immer einen ähnlichen Typen, und es fällt mir schwer zu vergessen, dass ich hier gerade Ryan Gosling sehe statt des Charakters.

In FIRST MAN verkörpert er Neil Armstrong, und was mir an dem Film gefallen hat war vor allem die Detailverliebtheit, mit der die Vorbereitung des historischen Mondspaziergangs gezeigt wird. Vor allem die Flüge sind so mitreißend inszeniert, dass ich mich daran nicht satt sehen konnte. Die klaustrophobisch engen Kapseln, die noch in den Kinderschuhen steckende Technik, der Lärm... FIRST MAN lohnt sich alleine schon für diese Szenen. Ich sehe mir gerne Dokumenattionen über das Apollo-Programm an, und da ist es zur Abwechslung mal ganz schön, nicht nur auf grobkörniges Archivmaterial beschränkt zu sein.

Leider hat mich das Familiendrama weniger begeistert. Ich weiß nicht, ob es an Gosling oder dem Drehbuch lag, aber ich hatte oft das Gefühl, auf Distanz zu den Figuren zu bleiben. Und wenn ich dann noch lese, dass die emotionalste Szene des Films (am Ende) dazu erfunden wurde, fühle ich mich leicht manipuliert. Ich hätte lieber mehr Szenen aus dem Raumfahrtprogramm gesehen, aber der Film läuft die meiste Zeit extrem ruhig ab. Es ist ein Weilchen her, dass ich Der Stoff, aus dem die Helden sind gesehen habe, aber ich habe ihn eine Spur spannender in Erinnerung. Auch wenn er von den Bildern her natürlich nicht mit FIRST MAN mithalten kann.