Frontier ★★

Only in Russia...
In GRENZGÄNGER - ZWISCHEN DEN ZEITEN verschlägt es einen unsympathischen Investor nach einer Kopfverletzung zurück in den zweiten Weltkrieg. Er erlebt in wiederholten Zeitsprüngen live die Belagerung Leningrads mit, um dadurch ein bisschen Respekt für seine Großeltern-Generation zu erlernen.

Die Art und Weise, wie hier mit dem Zeitreisethema umgegangen wird, hat mir ziemlich gut gefallen. Es war erst ungewohnt, dass der Protagonist in der Vergangenheit wie ein Geist nur beobachten, aber nicht eingreifen kann. Aber dadurch vermeidet der Film zumindest für den größten Teil unangenehme Paradoxon-Fragen. Bei jedem Zeitsprung muss außerdem eine Art Rätsel gelöst werden, indem er bestimmten Personen auf dem Schlachtfeld folgt. Das fühlte sich stellenweise fast wie in einem Point & Click Adventure an: Benutze Metallgriff mit Pfosten. Man sollte nur nicht hinterfragen, warum er sich so schnell mit seiner Situation abfindet und die Regeln versteht.

Leider helfen die vielversprechendsten Zeitreise-Ideen wenig, wenn das Drehbuch nicht abliefert. Für den etwas belehrenden Patriotismus kann ich noch ein Auge zudrücken, weil er sich zumindest nur auf die Vergangenheit bezieht. Aber dass sämliche Charaktere entweder unverständlich handeln oder extrem unsympathisch sind, wiegt schwer. Natürlich ist klar, dass unser "Held" eine Verwandlung durchmachen soll... aber bis darauf, dass er am Ende seine Familiengeschichte töfte findet, wird diese kaum sichtbar. Die Liebesgeschichte, die man ihm und einer Studentin aufs Auge drückt, ist erst Recht unglaubwürdig und sogar ziemlich unangenehm. Was für ein aufdringliches Ekel, brrr.

Was dem Film leider auch fehlt, ist eine ordentliche Spannungskurve. Nachdem mich die Grundidee wie gesagt ziemlich fesseln konnte, hoffte ich darauf, dass es in den Zeitsprüngen ein großes Geheimnis zu erforschen gibt. Leider fand ich es dann aber deutlich weniger aufregend als der Protagonist, seine Familiengeschichte aufzudecken. Und bestimmte Wendungen des Films reißen einen nun auch nicht mehr unbedingt vom Hocker, sie ergeben aber zumindest für die Logik Sinn.

Lobend hervorheben will ich noch die ungewöhnliche Farbgebung der Flashbacks, die nicht nur durch Farbfilter erzeugt wurden. So bunt war der zweite Weltkrieg noch nie! Man merkt dem Film zwar gewisse Budgetbegrenzungen an, aber ich mochte diese kreative Umsetzung. Schade, dass letztendlich doch das Negative bei mir überwogen hat. Zu unsympathisch, zu dröge, zu hölzern gespielt.