Ghidorah, the Three-Headed Monster ★★★★

Noch im selben Jahr, in dem Godzilla von Mothra abgewehrt worden war, schickte Ishirô Honda Tohos Monster erneut ins Rennen. Und diesmal setzte man noch einen drauf! Neben Godzilla und Mothra treten auch noch Rodan und King Ghidorah gegeneinander an. Diese Spaß garantierende Kombination wurde Jahre später für den U.S. Film GODZILLA: KING OF THE MONSTERS erneut aufgegriffen.

Der an einem Flugdinosaurier erinnernde Rodan war zuvor bereits in einem eigenen Film vorgestellt worden, was bei Mothra übrigens auch der Fall gewesen war. Damals war das bei Toho ein bisschen wie heute bei Marvel. King Ghidorah hingegen absolviert hier seinen ersten Auftritt, und er sollte schnell zu einem Fan-Liebling avancieren. Er war nicht nur der erste Gegner für Godzilla, der dessen Körpergröße übertraf, sondern machte mit seinen goldenen Drachenschuppen und den drei sich windenden Hänsen auch ansonsten ganz schön was her. Die anderen Monster wirken im direkten Vergleich fast schon putzig. Das macht allerdings nichts, denn GHIDORAH, THE THREE-HEADED MONSTER ist nicht gerade ein Film, der sich ernst nimmt... Im Gegenteil. Nachdem es im letzten Teil schon ziemlich in diese Richtung ging, wird jetzt endgültig kein Hehl mehr daraus gemacht, dass wir es mit purem Trash zu tun haben. Eine Prinzessin aus einem fiktiven Land, die zur Botschafterin einer außerirdischen Zivilisation wird... lächerliche Kostüme... noch lächerlichere Dialoge... sich prügelnde und miteinander verhandelnde (!) Gummimonster... Eine unglaublich klischeehaft inszenierte Bande (die Mörder!)... dieser Film hat alles. Man sollte natürlich Spaß an solchem Quatsch haben, aber wenn man sich dafür begeistern kann, wird man hervorragend unterhalten. Und im Gegensatz zu den meisten anderen Trashfilmen steckt hier noch Liebe zum Detail drin. Vor allem was die Miniaturen angeht.

Was ich etwas schade fand, ist nur, dass es ziemlich lange dauert, bis die ersten Monster wirklich in Erscheinung treten. Und Godzilla persönlich hat nicht einmal 8 Minuten Screentime, was den Verdacht bestätigt, dass zu dem Zeitpunkt des Drehs noch gar nicht so klar war, welches der Monster der größte Publikumsmagnet wird. Wer weiß, vielleicht hätten wir heute 30 Mothra Filme, wenn die Sache sich ein kleines bisschen anders entwickelt hätte? Wer nur für Godzilla einschaltet, dürfte also enttäuscht sein. Allerdings ist die Monster-Action, die man geboten kommt, so gut, dass sie für die Wartezeit entschädigt. Man merkt, dass die Choreografien inzwischen durchdachter sind, um sie abwechslungsreicher zu gestalten. Jedes Monster hat seine eigenen Spezialangriffe, und sie arbeiten sogar zusammen. Zu diesem Zeitpunkt war das ein absolutes Highlight der Reihe!

Ein wichtiger Wendepunkt ist außerdem, das Godzilla in diesem Film erstmals FÜR die Menschen eintritt. Durch Mothras Überzeugungsarbeit lässt er sich dazu bringen, seinen Groll beieseite zu schieben und den gemeinsamen Feind King Ghidorah zu bekämpfen. Damit erhält Godzilla erstmals einen eigenen Charakter, der ihn von einem bloßen wilden Tier abhebt. Auch wenn es ziemlich lächerlich wirkt, mochte ich die Szene, in der er sich Mothra gegenüber darüber beklagt, dass ihn die Menschen immer nur angreifen würden.

Ein wenig verwirrend ist der deutsche Titel FRANKENSTEINS MONSTER IM KAMPF GEGEN GHIDORAH, der daher kommt, dass damals ein gewisser Hype in Deutschland wegen eines japanischen Frankenstein-Films herrschte. Man benannte kurzerhand auch andere japanische B-Movies so um, dass sie nach einer Fortsetzung dieses Films klangen - auch wenn sie nicht das geringste mit Frankenstein zu tun hatten. Deswegen müssen wir uns noch heute über eine Hand voll äußerst merkwürdiger deutscher Godzilla-Filmtitel wundern.

Nachtrag: Nach einigem Überlegen doch noch auf 4 Sterne hochgegangen, weil der Film trotz spätem Monsterauftritt so viel Spaß macht und im Grunde genau das ist, was man sich unter einem typischen Godzillafilm vorstellt. Der Trashfaktor gehört dazu.