Gor

Gor ★½

Literaturverfilmungen sind mir als cineastische Feinschmeckerin natürlich eine besondere Freude! GOR basiert auf der gleichnamigen Romanreihe von John Norman, der eine spezielle Vorliebe für versklavte Frauen hat, die so lange sexuell gedemütigt werden, bis sie Spaß an ihrer misslichen Lage empfinden. In seinen Büchern versteht sich... ich will dem Herrn Professor natürlich nichts unterstellen. Für die Verfilmung hat man das Ganze allerdings komplett jugendfrei inszeniert. Überraschenderweise für einen Barbaren-Streifen sind die einzigen nackten Brüste die der männlichen Helden, und auch Vergewaltigungen sind mir keine aufgefallen. Aber die U.S.-amerikanischen Barbarenfilme waren da schon immer etwas zurückhaltender als die italienischen.

Wir können uns also voll auf die abstruse Geschichte konzentrieren, die von einem britischen Professor erzählt, den es durch einen magischen Ring auf die "Gegen-Erde" Gor verschlägt. Dort lernt er überraschend schnell die Kunst des Schwertkampfes, darf seinen schnieken Körper zur Schau stellen und von einer mit supervoluminöser 80s Haarpracht ausgestatten Prinzessin angehimmelt werden. Fast könnte man meinen, die Tagträume eines echten Professors zu verfolgen... Nun. Was schnell auffällt, ist, dass die auf unserer Erde spielende Rahmnenhandlung eigentlich völlig überflüssig ist. Der Held verwendet einmal seine Armbanduhr im Kampf und ansonsten spielt es überhaupt keine Rolle, wo er herkommt. Er fühlt sich direkt heimisch. Von daher wirkt GOR über weite Strecken tatsächlich wie ein ganz gewöhnlicher Sword & Sorcery Vertreter, und das sogar mit wenig Sorcery. Der Science Fiction Aspekt spielt nicht wirklich eine Rolle.

Und da haben wir auch schon das Problem... Wer ein paar Barbarenfilme kennt, für den bietet GOR nichts Neues. Wenn man Spaß an dem Genre hat, bekommt man zumindest eine Menge hübsch gebastelter Helme, Papp-Kulissen und Pferde mit gefärbten Haaren geboten. Aber ein Yor oder Ator haben den Trash-Faktor schöner auf die Spitze getrieben, und das ist das, was ich mir bei einem solchen Film erhoffe. Gor bietet aber einen guten Einstieg in das Genre, wenn man Vergewaltigungsszenen und komplett budgetfreien Schund lieber meiden möchte.