Hamilton ★★★★

Dass Disney+ den Broadwayhit HAMILTON streamt, mag neben der Freiheit, im Pyjama arbeiten zu können, zu den wenigen Vorzügen der Coronazeit gehören. Ich hätte nicht extra Geld dafür ausgegeben, weil ich mich nicht sonderlich für amerikanische Geschichte interessiere und sich Rap nur selten in meine Playlist verirrt. Aber da ich das Abo eh hatte, habe ich mich gefreut. Und kann etwas schlecht sein, das auf so viel Liebe stößt?

HAMILTON hebt sich mit seinen modernen Ideen auf jeden Fall vom klassischen Andrew Lloyd Webber Musical ab, wenn politische Debatten zu Rap Battles werden und die Founding Fathers von nicht-weißen Schauspielern verkörpert werden. Eine clevere Herangehensweise an eine Zeit, die man aus heutiger Sicht nicht mehr schön reden kann, weil Rassismus damals die gesellschaftlich akzeptierte Norm war. Der Ansatz, mit einer bewusst divers aufgestellten Besetzung einen Gegenpol dazu zu setzen, gefällt mir. Und da es bei Musicals um Kreativität geht, fällt mir kein Grund ein, weswegen ausgerechnet die Hautfarbe historisch korrekt sein muss - vor allem, wenn damit so offensichtlich gespielt wird, wie hier. Über die historischen Zusammenhänge des Gezeigten kann ich leider nicht viel sagen, weil mir Alexander Hamilton vorher kein Begriff war. Aber nach dem, was ich gelesen habe, ist das Stück für ein Musical gar nicht so weit von den Tatsachen entfernt. Zum Großteil zumindest. Und seine schlechten Charakterzüge werden nicht ausgespart.

Die Darsteller gefielen mir insgesamt sehr, und vor allem gegen Ende wird es sogar emotional. Zwischendurch gab es aber auch lustige Szenen - zu meinen Lieblingsmomenten gehörten zum Beispiel die Auftritte des Königs. Und auch die Musik ist abwechslungsreicher, als ich zuerst dachte.

Ich bereue es allerdings, dass sich mein Geschichtswissen darauf beschränkt, die Namen einiger U.S. Präsidenten wiedererzuerkennen. HAMILTON gibt sich zwar Mühe, auch Laien wie mich folgen zu lassen, aber vermutlich hat man mit mehr Hintergrundwissen mehr Spaß. Erschwerend kam dann noch dazu, dass ich den Lyrics wegen der Geschwindigkeit oft nicht folgen konnte. Untertitel halfen zwar, aber dafür konnte ich mich beim Lesen nicht so sehr auf die Tanzchoreografien konzentrieren. Eine Zweitsichtung direkt im Anschluss wäre wahrscheinlich fair, aber dafür war HAMILTON für mich dann doch zu anstrengend... was aber wie anfangs erwähnt reine Geschmackssache ist, und nichts daran ändert, dass ich die Umsetzung gelungen finde.

Nachtrag: Auf 4 Sterne geändert, weil ich den Soundtrack deitdem rauf und runter höre. :D