Her ★★★★

Nach gefühlt allen anderen Menschen habe ich jetzt auch endlich HER gesehen. Mit hohen Erwartungen, denn ich mag Spike Jonzes irrwitzigen BEING JOHN MALKOVICH sehr und sein neustes Werk hat schließlich eine Menge überschwängliches Lob kassiert.

Was mir unheimlich gefallen hat, mag etwas oberflächlich klingen, aber dieser Film ist ein Augenschmaus! Er kreiert eine Zukunftsvision, die nicht aufgesetzt wirkt, und in der man alle möglichen dezent angedeuteten Trends zu entdecken glaubt. Dabei wirkt diese Welt so stimmig, dass es sogar nebensächlich ist, ob die Technik realistisch dargestellt wird.

Inzwischen dürfte jeder die Handlung mitbekommen haben: Einsamer Mann und intelligentes Betriebssystem verlieben sich. In seinen guten Momenten, von denen es viele gibt, regt die Geschichte zum Nachdenken über Gefühle an und wie der moderne Fortschritt unseren Umgang mit ihnen beeinflusst. Was ist Liebe überhaupt... und wie kann sie enden? Was kennzeichnet ein Bewusstsein? Große philosophische Themen also, die in den weniger guten Momenten für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr totgeredet werden. Aber in Spike Jonzes Filmen hat ja eh jeder gewaltige Probleme mit seinen Beziehungen... und es wird ausgiebig darüber geredet. Das ist eigentlich kein Thema, das ich spannend finde, vielleicht weil ich selber schon so lange glücklich vergeben bin, und das ziemlich unkompliziert finde. Ich denke mir bei solchen Filmen also: Labert nicht so viel, was ist euer Problem? Malkovich gefällt mit wahrscheinlich deshalb eine Spur besser als Her. Der absurde Humor darin lockert das deprimierende Beziehungs-Hin-und-Her auf, und das trifft eher meinen Geschmack.

HER ist aber zweifelsohne ein guter Film und empfehlenswert (wenn man über eine wirklich alberne Sexszene hinwegsehen kann ;)). Er regt wie gesagt zum Nachdenken und Reden an, ist aber glücklicherweise keine einseitige Abrechnung mit dem technischen Fortschritt, was er leicht hätte werden können. Es geht nicht in erster Linie um Computer, sondern tatsächlich um Gefühle. Und das ist sehr schön umgesetzt worden.

Ich mochte sogar das Ende, weil es konsequent war, und dieses Zitat (SPOILERWARNUNG!!! Wer den Film nicht gesehen hat, bitte nicht lesen...):

It's like I'm reading a book. And it's a book I deeply love. But I'm reading it slowly now. So the words are really far apart and the spaces between the words are almost infinite. I can still feel you... and the words of our story... but it's in this endless space between the words that I'm finding myself now. It's a place that's not of the physical world. It's where everything else is that I didn't even know existed. I love you so much. But this is where I am now. And this is who I am now. And I need you to let me go. As much as I want to, I can't live in your book any more.

Janina liked these reviews