Hidden Figures ★★★

Man stelle sich vor, eine schwarze Frau arbeitet Anfang der 60er bei der noch jungen NASA, und weil es in ihrem Gebäude nur Toiletten für Weiße gibt, benutzt sie diese einfach mit. Ziemlich mutig, würde ich sagen. Schade, dass es diesem Film nicht mutig genug war. Man packte lieber einen weißen Mann als Vorgesetzten dazu, den es nicht gegeben hat, der dem Rassismus und Sexismus der Zeit trotzt und in einer frei erfundenen Szene das Schild einer Toilette zerkloppen darf, um der schwarzen Frau den Weg zu ebnen.

Wenn ich so etwas hinterher nachlese, stößt es mir sauer auf, vor allem wenn es bei einem Film passiert, über den ich immer wieder höre, dass er die "Realität" zeigt, und gerade deshalb so inspirerend sei. Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass Hollywood in Biopics äußerst frei mit den historischen Vorlagen umgeht. Es ist halt keine Dokumentation. Aber ich persönlich hätte diese Überdramatasierung nicht gebraucht, weil ich die Geschichte so wie sie sich zugetragen hat spannend und inspirierend genug gefunden hätte.

HIDDEN FIGURES erzählt nämlich in der Tat von drei außergewöhnlichen Frauen, die nicht nur begabt und gebildet waren, sondern sich in einer Zeit durchsetzen mussten, in der sie es wegen ihrer Hautfarbe extrem schwer hatten. Ich mochte die Schauspieler, und weil ich mich für Raumfahrt interessiere, kamen mir die zwei Stunden nicht zu langt vor. Aber der Zuckerguss ist sehr dick aufgetragen, und wäre es selbst für eine rein fiktive Geschichte gewesen. Und zum Zuckerguss kommt eben noch der unangenehme Beigeschmack, was einige Abwandlungen angeht. Die Szenen, die ich besonders stark fand, wie etwa der Auftritt vor Gericht (übrigens schon wieder von einem weißen Mann gerettet), stellten sich als Hollywood-Fantasie heraus. Hätte man nicht reale Ereignisse ähnlich mitreissend inszenieren können, als diesen einfachen Weg zu gehen? Das gilt übrigens auch für Stellen, bei denen anders herum Rassismus gezeigt wurde, wo zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon keiner mehr war. Ich hätte allgemein einfach gerne einen realistischeren Einblick gehabt, ohne dass viel dazu erfunden oder mehr als nötig zeitlich verschoben wird (ein bisschen Straffung muss natürlich sein).

Ein typischer Oscarkandidat und Feel-Good-Movie mit lobenswerten Ansätzen, dem ich aber nicht guten Gewissens mehr Sterne geben kann.