Independence Day ★★★

So viele Erinnerungen, die plötzlich auf einen niederprasseln... jede Dialogzeile kommt mir bekannt vor, jede Location, jeder Nebendarsteller mitsamt Synchronstimme. Wie oft muss ich diesen Film damals gesehen haben? Zehn mal? Zwanzig mal? Zu keinem Zeitpunkt hätte ich ihn zu meinen Lieblingsfilmen gezählt - zumindest nicht, soweit ich mich erinnern kann. Vielleicht habe ich das verdrängt. Und doch wurde die selbstaufgenommene VHS-Kassette offenbar sehr häufig eingelegt.

Independende Day war damals ein Großereignis. Man bekam eine Alieninvasion und Zerstörungsorgien versprochen, die man nie zuvor gesehen hatte. Und tatsächlich tobt sich Roland Emmerich hier nach allen Regeln der Kunst aus. So ziemlich jeder, der damals in meinem Alter war, hatte Spaß mit dem Film, und es gab eine Menge zitierwürdige Stellen.

Aus heutiger Sicht muss ich allerdings sagen, dass ID4 sehr schlecht gealtert ist. Nicht wegen der Effekte, sondern weil er eine Ansammlung anstrengender Klischees ist, der naive Patriotismus weh tut und der Humor zu oft zu platt ist. Emmerichs Filme waren schon immer dumm. So stellt sich wahrscheinlich ein 12 jähriger vor, wie die Amis den Aliens in den Arsch treten würden - ein 12 jähriger Junge wohlgemerkt, denn Frauen dürfen nur schmückendes Beiwerk für die echten Helden sein. Diese Schlussszene... puh. Dazu kommen Charaktere wie der Alien-Forscher oder der Vietnan-Veteran, die dermaßen überzeichnet sind, dass es schmerzt. Klar, wir reden wir von einer Zeit, in der es zum guten Ton von Hollywood-Blockbustern gehörte, solche Figuren zur Auflockerung einzubauen. Aber ich finde im direkten Vergleich zu s.B. Steven Spielberg treibt es Emmerich zu weit.

ID4 hat immer noch seine Momente. Es gibt einige wirklich lustige Szenen, vor allem mit Will Smith und Jeff Goldblum. Diese Charaktere bleiben im Gedächtnis, was man von anderen Emmerich-Filmen nicht unbedingt behaupten kann. Auch die Alien-Invasion an sich kann sich heute immer noch sehen lassen. Es ist halt nur alles sehr, sehr dumm. Und so gesehen muss ich leider gestehen, dass sich 2012 (den ich gestern direkt davor gesehen) und ID4 für mich nicht viel geben. Der eine treibt die Zerstörungsorgie komplett auf die Spitze, der andere liefert dafür 90s Nostalgie mit Smith und Goldblum ab. Aber es ist die selbe Art von Film: Plump, naiv, eine Spur zu fremdschämig, und dann doch wieder für kurzweiligen Spaß zu gebrauchen. Aber nicht wirklich gut.