Isle of Dogs

Isle of Dogs ★★★★

Wie kann ein Film so wunderschön aussehen und gleichzeitig so sehr an Emotionen scheitern?

Ich bin absolut begeistert davon, wie hier erstklassige Animationskunst auf ein Auge für ästhetische Bilder trifft, das Wes Anderson ja bereits in anderen Filmen bewiesen hat. Er hat nicht bloß seinen eigenen Stil, sondern verwandelt damit - zusammen mit den talentierten Künstlern, die an ISLE OF DOGS gearbeitet haben - jeden einzelnen Frame in ein Kunstwerk. Alleine die Sushi-Szene... sie ist für die Handlung kaum relevant, aber ich habe völlig gebannt zugesehen. So viel Liebe zum Detail habe ich lange nicht mehr gesehen.

Geblendet von so viel Schönheit ist mir zuerst kaum aufgefallen, dass irgendetwas nicht stimmt. Als der Abspann lief, fiel mir dann auf, was es war. Dieser Film hat mich kaum emotional berührt. Ein Junge begibt sich auf ein Abenteuer, um seinen entführten Hund zu retten? Ich hätte erwartet, literweise Tränen zu vergießen! Aber die Charaktere wirken alle fast schon roboterhaft. Vor allem die Japaner, die nicht nur durch die Sprachbarriere auf Distanz bleiben. Es scheint, als hätte man extra eine amerikanische Austauschsschülerin als Revolutionsführerin eingebaut, um dieses Klischee der emotionslosen Asiaten aufrecht erhalten zu können. Klar, die Geschichte soll sich auf die Hunde konzentrieren, aber die Hauptgruppe an Hunden ist sich mit einer Ausnahme auch ziemlich ähnlich. Dachte man sich, dass alleine die berühmten Synchronsprecher schon ausreichen, um den Charakteren Tiefe zu geben? Und auch die Liebesbeziehungen werden gar nicht richtig etabliert, sondern das ist dann halt plötzlich so. Genau wie der Sinneswandel eines bestimmten Hundes.

Das fand ich schade, weil in der künstlerischen Umsetzung so viel Phantasie und Liebe steckt, dass ich mir für die Charaktere auch etwas mehr davon gewünscht hätte. In meinem Fall war es zum Glück so, dass mich die Bilder darüber hinwegtrösten konnten. Denn die alleine machen den Film schon sehenswert, und die sympathische Abenteuergeschichte funktioniert ebenfalls. Für die Optik glatte 5 Sterne, für den Rest... naja. Am liebsten würde ich zwei Bewertungen vergeben, es fällt mir gerade wirklich schwer. Aber ich runde jetzt erst mal auf.