Marlina the Murderer in Four Acts ★★★

Ungewöhnlicher Titel, ungewöhnlicher Film. MARLINA THE MURDERER IN FOUR ACTS spielt in einer ländlichen Region Indonesiens, weit ab des modernen Großstadtlebens von THE RAID. Für viele dürfte das wie für mich bislang der einzige indonesische Film gewesen sein, den sie kannten, und um so überraschender ist es dann, MARLINA zu sehen.

Marlina ist eine junge Witwe, die sich alleine um ihre abgelgene Farm kümmert. Doch eines Tages erhält sie ungebetenen Besuch von einer Horde Männer, die sich erst bekochen lassen, um sie dann zu vergewaltigen und ihre Tiere zu stehlen. Aber Marlina kann sich wehren und schafft es, die meisten Angreifer zu töten. Mit einem abgeschlagenen Kopf als Beweismittel macht sie sich auf den Weg zur nächsten Polizeistattion, um dort die Vorfälle zu melden.

MARLINA kann man schwer einem bestimmten Genre zuordnen. Rape & Revenge trifft auf Road Movie, bedient sich dabei aber ausgiebig der Stilmittel eines Westerns. Marlinas schwangere Freundin und kleine Geistererscheinungen sorgen für etwas Humor, aber es ist verstörend zu beobachten, wie auf sich alleine gestellt die Frauen sind. Die Männer auf die sie treffen, verschlimmern die Situation noch, anstatt zu helfen. Gesellschaftskritik kommt also nicht zu kurz. Dass MARLINA nicht zu deprimierend wird, verdankt der Film seinen starken Frauenrollen, denn jede von ihnen scheint eine Kämpfernatur zu sein.

Die Mischung hätte eigentlich funktionieren können, aber leider war MARLINA am Ende nicht meine Art von Film. Er entfaltet zwar einen exotischen Charme und ich fühlte mit den Charakteren mit, aber zwischendurch verlor mich die Handlung immer mehr. Und trotz wunderschöner Bilder, die die große Leinwand mehr als verdient haben, war mir das Tempo eine Spur zu gemächlich. Darüber, ob die Gegenüberstellung von widerlichen Männern und stolzen Frauen nicht ein wenig zu plakativ geraten ist, kann man vielleicht auch streiten, aber ich verstehe hier zumindest die Beweggründe der Regisseurin.

MARLINA ist für mich ein klarer Fall von "Geschmackssache", aber ich sehe sehr viel positives darin und hätte ihn gerne viel mehr gemocht. Gebt ihm ruhig eine Chance, wenn ihr die Gelegenheit habt.

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