Midsommar ★★★★

HEREDITARY war einer meiner liebsten Horrorfilme der letzten 10 Jahre, und Ari Asters Zweitwerk MIDSOMMAR baut noch vor der Titeleinblendung eine ähnlich unangenehme Stimmung auf. Ich würde empfehlen, die Filme in dieser Reihenfolge zu sehen, weil es sich für mich anfühlte, als wollte der Regisseur einen abholen, nachdem man von HEREDITARY gehörigst traumatisert wurde. Er kennt unsere Erwartungen und verzichtet diesmal deswegen auf einen subtilen Einstieg. Jede Sekunde dieses Films weiß man, dass das nicht gut ausgeht - und wer es noch genauer wissen will, braucht sich nur die Zeichnung anzusehen, die ganz zu Beginn die komplette Handlung vorwegnimmt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann etwas passiert. Und gerade dass der Film so ätzend hell und voller fröhlicher Menschen ist, sorgt für noch mehr Unbehagen während man darauf wartet, dass das Unausweichliche eintritt. Das muss man sich erst einmal trauen, und auch ich selber bin mir nicht sicher, ob mir die Überraschungen in der wendungsreichen Handlung von HEREDITARY nicht gefehlt haben. Ich lasse mich halt sehr gerne von Filmen überraschen.

Für MIDSOMMAR sollte man außerdem Geduld mitbringen, denn er ist nicht nur ziemlich lang, sondern fühlt sich durch die Aneinanderreihung der verschiedenen Rituale vor den immer gleichen Blumenwiesen auch so an. Bei einer Zweitsichtung könnte ich ungeduldig werden, hätte ARI Aster den Film nicht so sehr mit netten kleinen Details gespickt. Außerdem hat er die wenigen, aber extra fiesen Gewaltszenen passend platziert.

Was auch wieder hervorsticht, ist die starke psychologische Ebene, auch wenn diesmal keine komplette Familie im Zentrum steht. Aber es geht bei Dani ebenfalls um Verlust - beziehungsweise um Verlustängste und das fehlende Gefühl der Dazugehörigkeit. Sehr früh gibt es im Filme eine Szene, die ich sehr stark fand. Darin wird eigentlich nur etwas gezeigt, was wir schon aus vielen Filmen kennen: Kumpels planen einen Urlaub und einer bringt überraschend seine Freundin mit. Aber hier fand ich die Szene extrem unangenehm, weil sie so überzeugend inszeniert war. Allgemein überzeugen die Schauspieler wie schon beim Vorgänger wieder sehr.

An HEREDITARY kommt MIDSOMMAR für mich zwar nicht ganz heran, weil ich die Wendungen in dessen Handlung zu sehr mochte. Aber er zeigt, dass Ari Aster damals nicht nur ein Glückstreffer gelungen ist. Seine Filme sind durchdacht, funktionieren auf mehreren Ebenen hervorragend und erzeugen selbst im strahlenden Sonnenschein eine Horroratmosphäre, die ihres Gleichen sucht. Außerdem kann man danach noch wunderbar darüber diskutieren und sich darauf freuen, was man bei einer Zweitsichtung alles entdeckt.

Janina liked these reviews