Mr. Holmes ★★★½

Sherlock Holmes ist ein dermaßen beliebter Charakter, dass man ihn schon in unzähligen Varianten auf Film gebannt hat: In der Moderne, als Kind, als Frau, als Maus... und hier ist er nun also alt. Auf stolze 93 Jahre hat er es gebracht und sich als Bienenzüchter weit entfernt vom Trubel Londons zur Ruhe gesetzt. Wir schreiben das Jahr 1947 und der inzwischen unter Demenz leidende ehemalige Meisterdetektiv möchte seinen letzten Fall lösen, der ihn einst dazu brachte, seinen Beruf aufzugeben. Dabei ist sein größter Feind sein löchriges Gedächtnis.

"Mr. Holmes" erzählt zugegebenermaßen kein sonderlich spannenden Holmes Fall. Es handelt sich eher um eine ruhige Charakterstudie, die dadurch interessant wird, dass wir dieses Universum in anderer Form bereits kennen. Wie würde Sherlock Holmes damit umgehen, wenn sein wichtigstes Werkzeug - sein Gedächtnis - irgendwann nicht mehr mitspielt? Mit welchen Menschen würde er sich umgeben, wenn die alten Wegbegleiter wegsterben? Und was wird ihm wirklich wichtig, wenn er merkt, dass es langsam zu Ende geht?

Diese Gefühle bringt Ian McKellen auf den Punkt, zumindest konnte er mich in der Rolle überzeugen. Er trägt den kompletten Film und gleicht aus, dass die Geschichte eigentlich nicht all zu viel hergibt. Sie ist rührend und man möchte schon wissen, was es mit diesem letzten Fall auf sich hat... aber am Ende geht eben weniger um die Aufklärung als um die Person Holmes an sich. Darauf sollte man sich einlassen können, sonst ist man eventuell enttäuscht.

Mir hat der Film gefallen, was teilweise daran gelegen haben mag, dass mein Opa im selben Alter ist und mich "Mr. Holmes" deshalb auf einer sehr persönlichen Ebene abgeholt hat. Er ist zwar kein Detektiv und glücklicherweise geistig noch fit, aber man erkennt viele Parallelen. Und mir ist dadurch bewusst geworden, wie selten alte Menschen die "Helden" eines Films sind. Dabei ist ihre Perspektive gerade dadurch spannend, dass wir sie nicht so häufig vorgesetzt bekommen.