Mulan ★★★

Wenn als drittes Abspannlied auf einmal Chinesisch gesungen wird, und einem dadurch so richtig bewusst wird, dass man gerade 2 Stunden lang sämtliche Schauspieler Englisch mit künstlichem chinesischem Akzent hat reden können... Das habe ich glaube ich noch in keinem anderen Film erlebt. Wieso tut man so etwas? Weil Untertitel Disneys Stammpublikum überfordern würden, aber man auf "echte Chinesen" nicht verzichten wollte. Es ist nur eines von vielen Beispielen in diesem Film, die zeigen, wie verzweifelt er einen Spagat hinzulegen versucht: Man wollte einerseits die westlichen Disneyfans zufrieden stellen, die mit dem Zeichentrickfilm aufgewachsen sind... aber andererseits wollte man der Kultur eines fremden Landes gerecht werden.

Das ist an sich ein lobenswertes Ansatz, selbst wenn der Grund für das Interesse an China finanzieller Natur sein mag. Neben VAIANA fällt mir kein Disneyfilm ein, der sich so sehr wie MULAN bemüht hat, respektvoll mit anderen Kulturen umzugehen. Klar, Disneyzeichner haben sich schon immer Inspiration aus aller Welt gesucht. Aber die Filme hatten dann doch eine stark amerikanisch geprägte Sichtweise, inklusive Produktionsteam. Selbst ALADDIN setzte zuletzt lieber auf einen bunt zusammengemischte Fantasie-Orient, anstatt sich zu konkret auf ein Land zu beziehen.

Nun kommt also MULAN und macht vieles anders. Mir hat gefallen, dass sie sich am chineischen Kino orientiert haben, das mit seinen Wuxia-Filmen und Schlachten-Epen schon manche Meisterwerke hervorgebracht hat, von HERO und TIGER AND DRAGON bis RED CLIFF. Ich habe mich tatsächlich darauf gefreut, als angekündigt wurde, dass der Film etwas ernster werden würde - instrumentale Lieder statt Musical-Einlagen, keine aufgesetzte Liebesgeschichte, kein nerviger Mushu, hurra! Ich mag das Original, und habe nichts gegen bunt verkitschten Disney-Realverfilmungen - aber von denen hatten wir nun schon einige und ich freue mich über kreative Ansätze. Dafür sollte man MULAN wirklich loben. Und viele der Änderungen haben mir gefallen. Außerdem sind die Landschaftsaufnahmen beeindruckend.

Tja... nur was passiert, wenn man es zu sehr allen Seiten Recht machen möchte und sich dabei verzettelt? MULAN zeigt zwar große Schlachten, aber bleibt dabei familienfreundlich, was deren Wucht hemmt. MULAN imitiert den schwerelosen Kampfstil der Wuxia-Filme, traut dem heimischen Publikum aber nicht zu, das zu verstehen. Also wird irgendein Quatsch um angeborene Zauberkräfte (das Chi) und Hexen drum herum gestrickt. Ich bin kein Wuxia-Experte, aber zu den Filmen, die ich kenne, passt das überhaupt nicht. Außerdem wird Mulan dadurch komplett genommen, wie sie sich durch die harte Armee-Ausbildung kämpfen muss. Anstatt durch Training wird sie zur Heldin, weil es ihr in die Wiege gelegt wurde. Gähn.

Ich finde den Film nicht so misslungen wie viele andere, weil mir gefallen hat, wie Disney zumindest versucht, Elemente des chinesischen Kinos (und chinesische Schauspieler) einzubauen und aus den üblichen Mustern auszubrechen. Außerdem kamen mir wie gesagte gewisse Änderungen sehr entgegen. Sie haben sich mehr getraut als z.B. bei dem komplett fantasiebefreitem THE LION KING Remake. Aber geglückt ist dieses Experiment leider nicht wirklich und wird sowohl Wuxia-Fans als auch Mulan-Fans unzufrieden zurücklassen. Knappe 3 Sterne (eigentlich 2,5, aber dann müsste ich andere Filme abwerten und dafür bin ich gerade zu faul ;)).