Mulan ★★★★

Ich habe lange geschwankt, ob ich MULAN 3,5 oder 4 Sterne geben soll. Aber einen Film in Zahlen pressen zu wollen ist sowieso etwas, was man nicht zu ernst nehmen sollte. Also gehe ich nach meinem Gefühl und vergebe 4.

Als Kind habe ich schon Geschichten geliebt, in denen Mädchen Krieger sind, wie zum Beispiel die Alanna von Trebond Reihe. Sie musste sich wie Mulan als Junge ausgeben, aber spätestens seit Game of Thrones wissen wir Dank der wundervollen Brienne von Tarth, dass es sogar ohne versteckte Brüste geht. Aber egal wie, diese besondere Schwäche für Frauen mit Schwertern war bei mir immer da, weil es sie halt leider nicht sonderlich oft gab. Mit den üblichen Prinzessinen konnte ich mich hingegen nie wirklich identifizieren, weil ich die Helden immer spannender fand. Abenteuer erleben, reiten und fechten - wieso wollten das so viele Frauen in Filmen nicht?

Schnitt zu MULAN. Als er ins Kino kam war ich schon 16 Jahre alt, und mein Interesse verschob sich von Disney längst weg zu Realfilmen. Aber ich mochte ihn. Schwerter, yay! Und das, obwohl ich Otto als Mushu lieber nicht dabei gehabt hätte. Er ist tatsächlich mein größter Kritikpunkt, denn mal abgesehen vom Standard-Sidekick-Verhalten ist Ottos Stimme meiner Meinung nach zu auffällig für eine Synchronrolle. Er bleibt immer Otto. Deshalb bin ich gespannt auf das Mushu-lose Remake und habe mir bei diesem Rewatch lieber die Originalfassung mit Eddie Murphy gegeben.

MULAN erinnert in mancher Hinsicht an POCAHONTAS. Man hat versucht, einer fremden Kultur mit dem nötigen Respekt gerecht zu werden, und für die damalige Zeit haben sie das denke ich ganz gut hinbekommen. Die Hauptcharaktere werden in beiden Fällen von Frauen mit passender Herkunft gesprochen, und in der jeweiligen Kultur wichtige Elemente (Ehre) werden ernst genommen. Zumindest größtenteils. Außerdem hat man sich beim Zeichenstil wieder getraut, zu experimentieren, und das Ergebnis gefällt mir sehr gut. Im Vergleich zu POCAHONTAS fand ich die Geschichte aber viel mitreißender und weniger kitschig. Und mit Mulan lässt sich besser mitfühlen, weil sie ein Mensch bleibt und nicht wie Pocahontas zu einer Art Öko-Göttin überhöht wird, weil das einer romantisierten Vorstellung der amerikanischen Ureinwohner entsprach. Das fühlte sich seltsam an, auch wenn es gut gemeint war. Bei MULAN konnte ich die meisten Charaktere hingegen ernst nehmen, weil sie mehr sein dürften als nur Schablonen. Und die Hunnen sind zwar zugegeben sehr eindimensional und grauhäutig geraten, aber funktionieren trotzdem (oder vielleicht sogar gerade deswegen) als finstere Bedrohung. Die Folgen des Krieges werden auch nicht ausgespart.

Die Lieder gefallen mir größtenteils (vor allem Reflection und Be a Man), aber es sind nur vier Stück. Daran merkt man wohl auch wieder, dass es keiner der sonderlich lockeren, lustigen Disneyfilem ist, wie davor z.B. Hercules und Aladdin.

Es gibt hin und wieder die Kritik, dass Mulan zwar eine starke Frauenrolle ist, deren Motivation ausnahmsweise nicht nur Liebe ist, aber dass sie sich trotzdem als Mann verkleiden muss, um Erfolg zu haben. Für mich ist die Botschaft aber ganz klar, dass gerade dadurch die Dämlichkeit von Rollenklischees vorgeführt wird. Man kann ja außerdem schlecht ignorieren, in welcher Epoche ein Film spielt. Und gegen Ende tritt Mulan offen als Frau auf, weil sie gezeigt hat, dass die Vorurteile der Männer unbegründet waren. Man muss schon pingelig sein, um ausgerechnet bei diesem Film im Vergleich anderen Disneywerken die weibliche Hauptrolle zu kritisieren. Die Vorstellung davon, was ein echter Mann ist, wird genauso vorgeführt, wie die von der echten Frau. Beide Seiten müssen sich erst auf Augenhöhe kennenlernen, um zu verstehen, dass sie mehr gemeinsam haben, als die Gesellschaft ihnen weiß machen will - und das ist finde ich eine schöne Botschaft. Zumindest ist es die, die ich immer aus dem Film mitgenommen habe.