Oculus ★★★½

OCULUS ist ein vom Thema her ziemlich klassischer Horrorfilm, in dem es um ein offenbar verfluchtes Objekt geht. Und um Kinder, die ganz schön was durchgemacht haben, huiuiui.

Was mir gut gefallen hat war, dass er sich von der üblichen Erzählform solcher Filme löst. Sehr oft läuft es ja so ab: Familie stößt auf Geisterding, die Situation spitzt sich zu, bis am Ende alle tot oder die übernatürliche Gefahr gebannt ist. Bei OCULUS liegt diese Geschichte bereits viele Jahre zurück und wir bekommen sie nur in Rückblenden erzählt. Im Mittelpunkt steht, was aktuell passiert: Eine junge Frau will beweisen, dass ihre Eltern damals nicht durchgedreht sind, sondern dass ein harmlos aussehender Gegenstand für ihre traumatischen Kindheitserinnungern verantwortlich ist. In einer starken Szene des Films zeigt sie begeistert ihrem nicht ganz von der Idee überzeugtem Bruder, wie sie sich auf das "Experiment" vorbereitet hat, mit dem sie heute Nacht endlich beweisen möchte, dass übersinnliche Dinge vor sich gehen.

An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass OCULUS auf einem guten, gleichnamigen Kurzfilm basiert, der genau diese Szene zeigt. Und nachdem ich ihn gesehen hatte, konnte ich verstehen, warum mir OCULUS zu Beginn auffallend besser gefallen hat als in der zweiten Hälfte. Die Ideen, die direkt aus dem Kurzfilm übernommen wurden, wirken frisch und bauen eine bedrohliche Atmosphäre auf. Was danach kommt, wirkt im Vergleich dazu ein wenig wie unbeholfenes Füllmaterial. Es wird sich irgendwann zu sehr auf die Rückblenden konzentriert, obwohl der Film das in diesem Ausmaß gar nicht gebraucht hätte. Auf bestimmte Gefahren, die Anfangs noch wichtig zu sein schienen, wird hingegen kaum noch eingegangen.

Allerdings bietet OCULUS auch einige eigene Ideen, die mir gut gefallen haben. Zum Beispiel die Diskussion der beiden Geschwister, ob auf ihre Erinnerungen überhaupt Verlass ist. Aus diesem Element hättte man finde ich mehr machen können.

Insgesamt fängt OCULUS zwar vielversprechender an, als er aufhört, aber zwischendurch gibt es trotzdem genügend gute Szenen, um einen bei der Stange zu halten. Außerdem legt er ein gutes Tempo vor. An IT FOLLOWS und THE BABADOOK aus diesem FFF-Jahrgang reicht er für mich zwar was die Gruselatmosphäre angeht nicht ganz heran, aber ein ordentlicher Horrorfilm ist er trotzdem geworden.

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