Open Windows ★★★★

Glückwunsch zu der Aktualität dieses Films, den ich nur wenige Tage nach dem Diebstahl der privaten Prominenten-Fotos gesehen habe. Hier geht es nämlich um Starkult und die Verletzlichkeit der Privatsphäre in Zeiten des Internets. Dabei spart sich der Film glücklicherweise den erhobenen Zeigefinger, sondern präsentiert sich als rasanter Thriller in Echtzeit.

Nick ist ein großer Fan der Schauspielerin Jill Goddard und betreibt eine Internetseite, auf der er Bilder von ihr sammelt. Ein Hacker nimmt Kontakt zu ihm auf und verschafft ihm Zugang zu Jils Smartphone - offensichtlich mit der Absicht, sie mit peinlichen Privataufnahmen öffentlich bloß zu stellen. Nick wird es zwar bald zu heiß, aber da steckt er schon tief in der Sache drin und muss von nun an tun, was ihm der anonyme Mann per Videochat befiehlt.

OPEN WINDOWS ist soweit ich weiß der erste Spielfilm (Kurzfilme mit diesem Aufbau gab es schon vorher), der seine Geschichte über den Bildschirm eines Notebooks erzählt. Man sieht die einzelnen Fenster mit Internetseiten, Fotos und Video-Streams. Das klingt langweiliger als es ist, ich hätte nicht gedacht, dass dieses Konzept auf Spielfilmlänge so gut funktioniert. Alleine für diesen kreativen Ansatz lohnt sich der Film schon.

Allerdings ist OPEN WINDOWS nicht nur ein einfallsreicher Thriller. Er ist auch ein lustiger Trashfilm, bei dem ich an vielen Stellen laut lachen musste. Wie in Hollywood üblich werden die Computerthemen nämlich nicht realitätsnah dargestellt. Das meiste ist zwar theoretisch möglich, aber so wie es gezeigt wird, ist das reine Film-Fantasie. Die Hackergeschichte soll für den Zuschauer spannend sein, also passiert alles unheimlich schnell, wurde stark vereinfacht und es wird mit schwachsinnigen Sprüchen um sich geworfen wie "Er hat den besten Server der Welt!". In der Realität verbreitete Software kommt soweit ich das abschätzen kann nicht vor, aber dafür blinkt alles schön und sieht supermodern aus. Mein Mann meinte, ihn hat der Film an den alten "Hackers" erinnert, der wohl einen ähnlichen Trash-Charme ausstrahlt (ich habe ihn leider nie gesehen).

Ist das ein Kritikpunkt? Für mich nicht, denn der Film unterhält gut und will keine Dokumentation sein. Hätte er sich mehr an die Realität gehalten, wäre er wahrscheinlich für die meisten Zuschauer ziemlich langweilig geworden, also kann ich die Entscheidung verstehen, die Computerszenen aufzumotzen. So kann man ihn als abgedrehten Cyber-Thriller genießen, dessen Thema dennoch ernst und topaktuell ist. Nur das Ende wirkte so, als hätte man dort mehr eingebaut, als nötig gewesen wäre...

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