Peter Pan ★★★

PETER PAN gehörte als Kind zu meinen liebsten Disney-Geschichten, obwohl ich den Film damals noch gar nicht kannte. Aber es gab in den 80ern Sammelbände, in denen je drei Disney-Klassiker mit vielen Bildern nacherzählt wurden - und neben Bambi, Pinocchio und Schneewittchen gab es in meinen Büchern eben auch PETER PAN. Ich mochte besonders daran, dass es ein echtes Abenteuer war, mit Piratenschiffen, Duellen und Feen-Magie. Außerdem war Hook ein einprägsamer Bösewicht, dessen Zusammenspiel mit dem Krokodil für viele Lacher sorgt. Das alles hat mir auch jetzt am besten gefallen, als ich den Film - vielleicht zum ersten Mal komplett? - bei Disney+ gesehen habe. Und im Vergleich zu anderen älteren Disneyfilmen fand ich das Pacing besser. Die Slapstick-Momente ziehen sich weniger und wirken nicht so sehr wie Fremdkörper. Und es gibt ein richtiges Finale!

Als Kind hätte ich PETER PAN in Filmform wahrscheinlich sehr gemocht. Aber man wird älter und hinterfragt bestimmte Darstellungsweisen. Schon damals fand ich Wendy öde, weil sie nur die Mutterrolle übernimmt. Aber darüber kann ich hinwegsehen, denn wenn ich als Kind nach Heldinnen gesucht habe, gab es halt allgemein wenig Auswahl. Schwer beschönigen lässt sich, dass die Szenen mit den Indianern einen rassistischen Beigeschmack haben. Das wurde in den 50ern nicht als problematisch wahrgenommen, und womöglich wollte man damit niemandem etwas Böses. Aber wenn ich den Film mit meinem heutigen Wissen sehe, fühle ich mich dabei unwohl, weil ich mir bei Parodien fremder Kulturen etwas mehr Empathie wünsche. Bei einem amerikanischen Film, der ausgerechnet amerikanische Ureinwohner zu exotischen Fantasiewesen umbaut, kann ich Kritik nachvollziehen. Es ist nicht so schlimm, dass ich ausschalte. Ich kann es halt nur nicht völlig unbekümmert genießen.

Würde ich PETER PAN unter Berücksichtigung der Zeit bewerten, in der er entstanden ist, wären es mehr Sterne. Aber aus meiner heutigen Sicht gibt es dann halt doch vieles, was mir veraltet vorkommt und wobei mir dadurch der Unterhaltungsfaktor fehlt. Das trifft zum Beispiel auch auf die Musik zu. Gesehen haben sollte man ihn trotzdem, denn er gehört zu den kurzweiligsten und actionreichsten frühen Disney-Zeichentrickfilmen.