Picnic at Hanging Rock ★★★

Mitte der 90er war ich ein begeisterter Akte X Fan und sammelte deshalb alles, was mit unerklärlichen Phänomenen zu tun hatte. Mein ganzer Stolz war ein dickes Buch mit - Abzüge in der Kreativnote - genau diesem Titel: "Unerklärliche Phänomene". Darin wurden von UFOs über Poltergeister bis hin zu myseriösen Vermisstenfälle alle möglichen Ereignisse beschrieben, die wundervollen Stoff für Akte X hergegeben hätten. Obwohl ich nicht alles glaubte, las ich unheimlich gerne in dem Buch und nahm an, dass zumindest die Grundzüge der Vorfälle verbürgt seien - wenn auch nicht unbedingt die übernatürlichen Erklärungen dafür. Als besonders gänsehautfördernd habe ich das "Hanging Rock" Kapitel in Erinnerung, laut dem am Valentinstag 1900 mehrere Personen bei einem Picknick an einem gruseligen Felsgebilde spurlos verschwanden. Ihr Schicksal wurde detailreich ausgebreitet und natürlich dürften die verschiedenen Erklärungen nicht fehlen... inklusive Aliens.

Schnitt. 2021 sehe ich das erste mal den Film "Picknick am Valentinstag", der auf dieser Geschichte basiert. Mit den Mitteln des Internets und einem etwas skeptischerem Verstand bewaffnet, musste ich aber zu meiner Enttäuschung feststellen, dass es die spurlos verschwundenen Schülerinnen und ihre Lehrerin nie gegeben hat. Vorlage dafür ist ein Roman, der in den 60ern geschrieben wurde. Während beispielsweise das seltsame Unglück am Djatlow-Pass wirklich stattgefunden hat, wurde mir mit einem Mal eine meiner liebsten realen Gruselgeschichten einfach ausgelöscht. Wie schade... Und beim erneuten Blättern in meinem alten Buch fiel mir dann auch auf, dass im letzten Absatz des Kapitels erwähnt wird, dass es sich wohl nur um eine fiktive geschichte handelt. An der Stelle hatte ich das Buch doch längst viel zu gegruselt zugeklappt!

Ändert das etwas an dem Film? Vielleicht ein bisschen. Denn wenn man die Grundzüge der Geschichte kennt, liefert er an Handlung nicht viel. Mädchen fahren zu einem Picknick, einige von ihnen verschwinden. Hätte es sich um einen realen Fall gehandelt, hätte ich verstanden, weshalb man nicht mehr dazudichtet. Aber so war mir das etwas zu wenig... Eine eindeutige Auflösung hätte ich nicht gebraucht, aber die zweite Hälfte brachte kaum neue Erkenntnisse und erreichte meiner Meinung auch nicht die verträumte, mysteriöse Atmosphäre der ersten Hälfte, die mir sehr gefallen hat. Die weißen Kleider, die fröhliche Stimmung, die Sonne, die Felsen... das alles ergibt eine Mischung, bei der ich verstehe, dass sie den Reiz des Films ausmacht. Aber insgesamt war er mir eine Spur zu lang für die knappe Handlung, die man geboten bekommt. Gute 3 Sterne und auf jeden Fall einen Blick wert, wenn man sich für ungewöhnliche Mystery-Filme abseits des Mainstreams interessiert.