Ready Player One ★★★★

Was wurde im Vorfeld über diesen Film, das Buch und dessen Autor, die mäßigen Poster und Steven Spielbergs Erfolgsdruck diskutiert... auf der einen Seite die Fans auf der anderen eine überraschend große Gruppe von Menschen, die ihn mit fast schon aggressiver Verachtung ablehnten, ohne ihn gesehen zu haben. Ein Spalter also? Das machte mich neugierig, und deshalb habe ich den Weg ins Kino gewagt, um mir mein eigenes Urteil zu bilden.

Und was soll ich lange um den heißen Brei herumreden... Ich hatte überraschend viel Spaß!

Sehr erleichtert war ich darüber, dass die popkulturellen Anspielungen, auf die der Film gerne reduziert wird, kein reiner Selbstzweck sind. Sie ergeben im Rahmen der Welt und Handlung 100%ig Sinn, und damit ist READY PLAYER ONE eine löbliche Ausnahme. Ganz anders als bei Stranger Things (nichts gegen Stranger Things) und anderen auf unsere Nostalgie abzielenden Serien und Filmen, bei denen die Anspielungen nicht einmal ansatzweise begründet werden. Von daher wäre es Quatsch, ausgerechnet READY PLAYER ONE vorzuwerfen, dass er mit popkulturellen Zitaten arbeitet. Wenn es überhaupt jemals zu einer Geschichte gepasst hat, dann zu dieser. Zum einen, weil der Schöpfer der virtuellen Welt (und des großen Rätsels), um die es geht, ein Kind der 80er ist, für das diese Erinnerungen ein Zufluchtsort sind. Wir bekommen mehr Einblick in seine Psyche als in die der leider ziemlich flach gehaltenen Protagonisten. Zum anderen, weil es in READY PLAYER ONE um ein Videospiel geht.

Ich habe seit meiner Jugend nie den Spaß an Videospielen verloren, aber habe bisher keinen Film gesehen, der mein Hobby würdig auf die große Leinwand gebracht hat. Was "Filme für Gamer!!!" angeht bin ich wirklich schwer zu beeindrucken und leicht zu enttäuschen. READY PLAYER ONE könnte der erste sein, der mich überzeugt hat. Was machen wir, wenn uns in einem Videospiel die Freiheit gegeben wird, Dinge zu erschaffen? Sehr häufig wird etwas nachgebaut oder verändert, was wir aus anderen Spielen, Filmen oder Serien kennen. Der Steam Workshop oder Second Life sind gute Beispiele dafür, wie essentiell dieser kreative Recycling-Prozess für Spieler ist. In READY PLAYER ONE baut Aeach auf Bestellung Replikate berühmter Fahrzeuge. Man könnte mit den Augen rollen, dass es einfallslos ist, etwas schon bestehendes nachzubauen. Aber dann müssten sich gerade wir Videospieler an die eigene Nase fassen, wenn wir bei den Sims nach Kostümen suchen oder uns von Herr der Ringe Szenarien in Minecraft beeindrucken lassen. Ich würde jedenfalls behaupten, dass gerade dieses Spiel mit popkulturellen Referenzen nicht aus der Szene wegzudenken ist. Und deshalb ist es logisch, dass in der Welt von READY PLAYER ONE das selbe passiert.

Ein anderer Grund, weshalb ich mich tatsächlich wie in einem Videospiel gefühlt habe, ist die Inszenierung. Der Aufbau in mehrere "Level", aber auch z.B. das Autorennen, das so ähnlich auch einem Saints Row Teil hätte entsprungen sein können. Die Actionszenen wirken auf angenehm verrückte Art wie aus einem Videospiel und machen auf die selbe Art Spaß.

Es gibt aber auch Kritikpunkte für mich. Die Hauptcharaktere sind wie gesagt ziemlich flach geraten und das Finale wirkte im Vergleich zu den Challenges eher einfallslos. Aber bis dahin bekommt man viele richtig unterhaltsame Sequenzen geboten, unter denen der "Kinobesuch" wohl am meisten hervorsticht. Er ist außerdem ein gutes Beispiel dafür, wie man Referenzen einbauen und dabei trotzdem kreativ sein kann. Eine meiner Lieblingsideen war außerdem der "Cube" :).

Was fehlt sind Verschnaufpausen. READY PLAYER ONE ist eine Achterbahnfahrt, ein Actionspiel durch und durch. Keine Zeit für langsamen Spannungsaufbau oder große Emotionen. Darauf muss man sich genauso einlassen können, wie auf die konsequent als Videospiel gestaltete Welt. READY PLAYER ONE ist kein Film, der jedem gefallen wird, und das ist völlig in Ordnung. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, bekommt man sehr gute Unterhaltung geboten. Und endlich einen guten Film über Videospiele.