Searching ★★★★½

SEARCHING klingt auf den ersten Blick vor allem nach nerdiger Spielerei, aber es gelingt ihm, seine ungewöhnliche äußere Form nicht nur als Gimmick einzusetzen, sondern damit eine spannende und überraschend gefühlvolle Geschichte zu erzählen. Der komplette Film spielt sich auf Displays ab, auf denen wir den Bewegungen des Cursors folgen, Chatnachrichten lesen, Videos ansehen und Google Suchen mitverfolgen. Es geht um einen Vater auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter. Und während man erwarten könnte, dass durch die Technik eine zusätzliche Distanz entsteht, ist genau das Gegenteil der Fall: Man hat durchgängig das Gefühl, live dabei zu sein, und fühlt sich dem verzweifelten Vater sehr nahe. Emotionen werden nicht bloß durch Videochats transportiert, sondern beispielsweise darüber, dass man das Zögern vor dem nächsten Klick bemerkt oder mitbekommt, wie ein Text mehrmals neu geschrieben und dann doch vor dem Absenden gelöscht wird. Man erkennt sein eigenes Verhalten wieder. Und wie realistisch das alles umgesetzt wurde, hat mich staunen und mitfiebern lassen. Der Realismus hört übrigens nicht bei den besuchten Webseiten auf, denn Facebook, Gmail und Twitter sehen genau so aus, wie man es gewohnt ist. Und wie viel Detailarbeit nötig war, lässt sich nur erahnen. Die deutsche Blu-ray enthält beispielsweise komplett eingedeutschte Texte.

SEARCHING ist nicht der erste Film, der seine Geschichte über den Blick auf fremde Displays erzählt, und auch in Videospielen kam das schon vor. Was ihn aber für mich herausstechen lässt, ist die Kombination aus bis ins Detail perfekter Technik, überzeugend gespielten Charakteren und einer fesselnden, wendungsreich erzählten Geschichte. Hier werden einem nicht einfach Jump Scares oder möglichst schockierende Enthüllungen vorgesetzt. SEARCHING ist damit nicht nur ein geglücktes Experiment, sondern ein wirklich guter Film. Und für einen Vorreiter in diesem "Genre" vergebe ich deshalb gerne 4 1/2 Sterne. Ansehen!