Spree ★★★

In SPREE mutiert der nette Typ aus Stranger Things zum kaltblütigen Killer, und das wird als Social Media Satire aufgezogen. Protagonist Kurt müht sich seit langem erfolglos ab, mit Videos aus seinem Alltag eine Fangemeinde aufzubauen, aber Likes und Zuschauerzahlen halten sich in Grenzen. Frustriert plant er den ultimativen Livestream: Heute Nacht sollen Menschen sterben! Als eine Art Uber-Fahrer getarnt sucht er sich seine Opfer.

Dass ein Film ausschließlich über Bildschirme erzählt wird, kennt man inzwischen, allerdings haben das andere meiner Meinung nach einfallsreicher genutzt. Der Kniff scheint hier vor allem zum Einsatz zu kommen, um verschiedene Kameraperspektiven zu kombinieren. Dabei werden zwar auch Chatkommentare eingeblendet, aber man kann ihnen irgendwann gar nicht mehr folgen. Zum Glück scheinen sie für die Handlung kaum relevant zu sein, aber mir war das eine Spur zu chaotisch. In SEARCHING wird der Blick des Betrachters immer kunstvoll dort hin gelenkt, wo man gerade sein muss, so dass man nicht das Gefühl hat, etwas zu verpassen.

SPREE will allerdings gerade das zeigen: Die Hektik, das Schrille, die auf die Spitze getriebene Selbstinszenierung. Das fängt er sehr gut ein, und deshalb kann ich ihm nicht wirklich böse dafür sein, dass er mir dabei auf die Nerven ging. So ziemlich jeder in diesem Film streamt außerdem selber und will Likes abgreifen. In dieser Masse ist das künstliche Influencer-Gehabe nur schwer zu ertragen, es macht aber auch den Reiz aus.

Das führt nur zu einem Problem... man fühlt mit niemandem mit. Alle Charaktere wirken so sehr wie Karikaturen, dass mich die eigentlich ziemlich brutale Handlung kalt gelassen hat. Kurt begeht seinen ersten Mord außerdem so schnell und fast schon beiläufig, dass keine erkennbare Entwicklung stattfindet. Das lässt den Film noch mehr wie eine überspitzte Satire wirken, und weniger als dramatischen Thriller. Nur so lässt sich außerdem erklären, wie lange niemand damit rechnet, dass die Morde echt sein könnten. Für eine wirklich gute Satire fehlte mir am Ende nur leider ein Aha-Effekt.

Ein interessantes Experiment, dessen Reiz sich vielleicht besser entfaltet, wenn man nicht so furchtbar genervt von allen Beteiligten ist.