Steve Jobs ★★★

Biopics... selbst die unter ihnen, die durch die Bank weg gefeiert werden, können mich nicht wirklich begeistern. Und das macht mir zu schaffen, denn schließlich liebe ich Filme, und ich möchte sie gerne so sehr wertschätzen können wie jeder andere. Aber manche Genres funktionieren bei mir einfach nicht. Und das ist wieder so ein trauriger Fall. Gute Schauspieler, cleverer Aufbau, durchdachte Inszenierung, geschliffene Dialoge... aber was soll ich mit diesem Film anfangen?

"Steve Jobs" basiert auf der gleichnamigen Biografie des Apple Gründers und beschränkt sich auf drei Eckpunkte seines Lebens. Man sieht ihn vor den wichtigen Präsentationen, bei denen 1984 der Apple Macintosh 128K, 1988 der NeXT und 1998 der iMac vorgestellt wurden. Jedesmal ist er von den selben Wegbegleitern umgeben, und anhand der Dialoge mit ihnen erfahren wir mehr über das, was in Jobs vorgegangen sein mag.

Das ist der entscheidende Punkt. Dem Film geht es mehr darum, zu ergründen wie Jobs "tickt", als um historische Genauigkeit. Selbst wiederkehrende Schlüsselelemente, wie etwa Steve Wozniaks Bitte darum, die Apple II Entwickler zu würdigen, sind laut Wozniak frei erfunden. Die Charaktere sind nicht auf diese Art und Weise zusammengekommen. Es ist eine fiktionale Geschichte, die sich real existierender Personen bedient. Und da wird es problematisch für mich.

Ich hatte es schon bei anderen Biopics geschrieben: Meiner Meinung nach sollte man sich entweder so gut es geht an die bekannten Fakten halten, um dem Zuschauer näher zu bringen, was passiert ist - oder man entfernt sich von der Realität zu Gunsten der Botschaft, die man transportieren will. Aber dann sollte man das deutlich machen, sonst schürt man nur Gerüchte. Ich habe einige Dokumentationen über Steve Jobs gesehen, die aufschlussreicher waren. Man wusste halbwegs, was Fakten und was Vermutungen sind. Hier weiß man das nicht, wenn man sich nicht vorher ausgiebig informiert hat.

Und seien wir ehrlich, die hier präsentierte Geschichte wäre sterbenslangweilig, wenn es halt nicht ein Mann wäre, an dem ein großes öffentliches Interesse besteht. Alleine für die Vater-Tochter-Beziehung und die Firmensorgen sehen wir uns diesen Film nicht an. Ich hätte ihn mir gerne angesehen, um mehr über Jobs' Leben zu erfahren - aber da er auch das nicht liefert, bleibt wenig übrig. Was man über Apple erfährt, wirkt eher wie Beiwerk. Im Grunde sehen wir, wie Danny Boyle sich die Psyche eines Mannes vorstellt, den er womöglich nie getroffen hat. Ein sehr vereinfachtes Bild, das zwar immerhin auf der Biografie basiert, aber so zurechtgestutzt wurde, dass es perfekt in die drei Akte des Films passt. Womit wir wieder bei meiner anfänglichen Frage wären: Was soll ich mit diesem Film anfangen?

3 Sterne für die gute Inszenierung, mein Interesse am Inhalt bewegt sich aber eher im 2 Sterne Bereich.