Tell Me Who I Am ★★★

Ein tragischer Unfall steht zu Beginn dieser Dokumentation: 1982 verunglückt der damals 18-jährige Alex, fällt ins Koma und kann sich danach an nichts mehr aus seiner Vergangenheit erinnern. Nur an seinen Zwillingsbruder Marcus. Mit seiner Hilfe baut er sich nach und nach ein Bild seines bisherigen Lebens und seiner Familie auf. Aber irgendwann fallen ihm Unstimmigkeiten auf, und es stellt sich heraus, dass Marcus, um ihn zu schützen, negative Ereignisse verheimlicht hat. Es dauert Jahrzehnte, bis die beiden Klartext miteinander sprechen.

Der Fall an sich ist faszinierend und entwickelt sich sehr unangenehm, wobei man froh sein kann, dass es am Ende nicht noch mehr ins Detail geht. Und den beiden sympathischen Brüdern hört man gerne zu, man merkt ihnen die Verbundenheit an und was für eine Bürde ihre Vergangenheit ist. Allerdings hat mich die Machart der Dokumentation nicht überzeugt. Zum einen hätte der Stoff für 45 Minuten ausgereicht. Zum anderen führt diese künstliche Streckung zusammen mit der Unterteilung in drei Akte (erst am Ende sitzen beide zusammen an einem Tisch) dazu, dass ich mich hin und wieder wie bei einem Clickbait Artikel fühlte. Man weiß von Anfang an, dass ein furchtbares Familiengeheimnis aufgedeckt werden wird, aber die Aufklärung wird immer wieder "angeteasert". Der Aufbau ist wahrscheinlich so gewählt worden, um nachvollziehen zu können, wie sich Alex mit seinem Gedächtnisverlust und der langen Suche nach der Wahrheit gefühlt hat. Aber sie hat für mich einen effekthascherischen Beigeschmack, der mir bei diesem Thema unangebracht vorkommt.